Die geplante Schließung des Tiefkühlgemüsewerks Ardo in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) sorgt weiterhin für große Verunsicherung. Nach der Agrana-Wende ("Heute" berichtete hier) meldet sich nun auch die Konzernführung erneut zu Wort und kündigt konkrete Schritte für die betroffenen Mitarbeiter an. Ein erster Vorschlag für einen Sozialplan liegt bereits auf dem Tisch.
Wie Ardo am Donnerstag mitteilte, wird derzeit gemeinsam mit dem Betriebsrat ausgearbeitet, wie lange die einzelnen Beschäftigten noch im Unternehmen bleiben können. Für die große Mehrheit sollen es weitere sechs bis neun Monate sein, für einige Mitarbeiter sogar ein ganzes Jahr.
Das nächste Treffen mit dem Betriebsrat ist für Freitag, den 23. Oktober, angesetzt. Ziel sei es, möglichst rasch eine Einigung über einen Sozialplan zu erzielen und den Beschäftigten Klarheit über ihre Zukunft zu geben.
Gleichzeitig bekräftigt der Konzern seine Entscheidung, staatliche Hilfsangebote nicht weiterzuverfolgen. Laut Ardo würden öffentliche Förderungen die strukturellen Probleme des Standorts nicht lösen. Das österreichische Geschäft schreibe seit mehreren Jahren operative Verluste, die von der Unternehmensgruppe getragen würden.
Auch mögliche rechtliche Risiken durch staatliche Unterstützungen werden als Grund genannt. Nach externer Beratung sei insbesondere die Vereinbarkeit mit EU- und Wettbewerbsrecht fraglich.
Ardo stellt zudem klar, dass Ardo Austria Frost keine öffentlichen Fördermittel erhalten habe, die zurückgezahlt werden müssten. Anders sei die Situation bei der Erzeugergemeinschaft ETG, an der Ardo eine Minderheitsbeteiligung hält. Dort könnten EU-Förderungen teilweise von Rückforderungen betroffen sein.
Die tatsächliche Höhe möglicher Rückzahlungen werde derzeit von externen Experten geprüft. In Medien genannte Summen seien laut Konzern deutlich überhöht.
Die angekündigte Schließung sei nach eingehender Prüfung sämtlicher Alternativen erfolgt. Das Werk in Groß-Enzersdorf sei strukturell unrentabel geworden, betont das Unternehmen.
Über die Ardo-Gruppe: Ardo ist ein internationales Familienunternehmen und Marktführer für erntefrisch tiefgekühltes Gemüse, Kräuter und Obst. Unser Sortiment umfasst außerdem Pasta, Hülsenfrüchte, Reis, Kartoffelprodukte und Gemüsesnacks. Mit 16 Produktions-, Verpackungs- und Vertriebsstandorten in 7 Ländern und mehr als 3.200 Beschäftigten liefern wir jährlich nahezu 1 Million Tonnen Produkte an den Einzelhandel, die Gastronomie und die Lebensmittelindustrie und erzielen einen konsolidierten Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. Link: www.ardo.com
Ardo versichert, die Sorgen der Beschäftigten und der betroffenen Landwirte ernst zu nehmen. Der Konzern wolle die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern fortsetzen, um möglichst rasch Klarheit zu schaffen.