Das Aus des Ardo-Werks im Marchfeld reicht bis in die Tiefkühlregale der Supermärkte: In Groß-Enzersdorf wird unter anderem Gemüse für die Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar sowie für Iglo verarbeitet. Mit der angekündigten Schließung 2027 fällt dieser heimische Produktionsstandort weg.
Das Aus reicht bis in die Tiefkühlregale der Supermärkte: Ardo Frost Austria verarbeitet unter anderem Gemüse für die Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar sowie für Iglo. Die heurige Ernte soll noch abgearbeitet werden, danach erfolgt der schrittweise Rückzug. Die Anlagen sollen an andere Konzernstandorte in Europa verlagert werden. In Österreich bleibt der Vertrieb.
Als Begründung nennt die belgische Unternehmensgruppe notwendige Modernisierungsinvestitionen von mehr als 100 Millionen Euro. Diese seien für den vergleichsweise kleinen österreichischen Markt zu hoch. Betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan ausgearbeitet wird, sowie rund 50 Leiharbeitskräfte.
Für die heimische Herkunft bestimmter Produkte steht viel auf dem Spiel. Besonders betroffen wäre die bisherige Tiefkühlproduktion von Blattgemüse im Marchfeld. Der Obmann der betroffenen Bauern warnt: "Spinat in jeder Art und Weise würde mit der Zeit verschwinden, genauso wie das Rotkraut. Da gibt es keine zweite Verarbeitungslinie in Österreich."
Spar hat bereits einen Teil der bisherigen Ardo-Produktion bei einem anderen Betrieb in Groß-Enzersdorf gesichert. Schneider's Gemüseland soll ab Sommer 2027 weitere Marchfelder Tiefkühlgemüseprodukte für Spar übernehmen. Der Familienbetrieb beliefert die Supermarktkette bereits mit rund 20 Produkten. Fünf zusätzliche Artikel seien fixiert, so Spar-Sprecherin Nicole Berkmann zur APA: "Am Rest arbeiten wir."
Im Zuge der Zusammenarbeit wurde in neue Tiefkühl-Abfüllanlagen und ein vollautomatisiertes Tiefkühllager investiert. Schneider's Gemüseland kann die gesamten Ardo-Kapazitäten jedoch nicht ersetzen. Die zusätzlichen Spar-Produkte lösen damit nur einen Teil des Problems.
Welche konkreten Lösungen Billa, Hofer und Iglo für die bisher durch den belgischen Konzern erzeugten Produkte vorsehen, ist noch unklar.
Sowohl Landes- als auch Bundesregierung bemühen sich intensiv um eine Fortführung des Werkes – zuletzt bei intensiven Gesprächen am Mittwoch mit Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (beide ÖVP).
Das Ardo-Management ließ die Volksvertreter nicht nur eiskalt abblitzen, sondern unterstellte postwendend EU-Rechtswidrigkeit der eingebrachten Vorschläge. Dem widerspricht Mikl-Leitners Landesvize Stephan Pernkopf entschieden: "Das lassen wir uns jedenfalls nicht vorwerfen". Vielmehr seien die Belgier "keinen Millimeter auf unsere Angebote eingegangen". Das Unternehmen sei an einer Weiterführung oder einer Weitergabe der Anlagen nicht interessiert.
"Wer ein Werk in dieser Art und Weise kalt abdreht und den Bauern nicht einmal die Produktionsmaschinen überlassen möchte, nur um rot-weiß-rote Konkurrenz zu verhindern, hinterlässt verbrannte Erde. Doch das werden sich weder die Bauern noch die österreichischen Konsumenten gefallen lassen", hält Pernkopf fest: "Das ist in Wahrheit eine Kriegserklärung."