Das geplante Ende der Produktion im Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf sorgt im Marchfeld für große Sorgen – "Heute" berichtete. Neben den Beschäftigten sind auch zahlreiche Bauern betroffen, die bisher Gemüse für den Tiefkühlproduzenten angebaut haben.
Eine von ihnen ist Christine Eliskases vom Hofladen Trimmel in Gerasdorf. Ihre Landwirtschaft baut derzeit noch auf rund fünf Hektar Gemüse für Ardo an. Früher sei es deutlich mehr gewesen.
"Beim Ardo-Werk haben wir zumindest noch einen angemessenen Preis verdient, mit dem man wirtschaften konnte. Das war sehr fair", erzählt Eliskases im "Heute"-Gespräch.
Von den Folgen habe sie über ein Schreiben der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) erfahren, sie ist der Zwischenhändler von Ardo und laut Eliskases an der Ardo-Weiterführung sehr bemüht. "Wir haben aber einen Schrieb erhalten, sie brauchen nichts mehr von uns."
Für die Bäuerin beginnt damit die schwierige Suche nach Alternativen. "Jetzt wissen wir nicht, was wir anbauen sollen. Gleichzeitig ist das Saatgut so teuer, das wollen wir nicht verschwenden. Die Schließung des Ardo-Werks ist ein Todesstoß für die Landwirtschaft."
Sie führt aus: "Beim Verkauf sind wir bei den Gemüsepreisen abhängig vom Weltmarktpreis. Die österreichische Landwirtschaft ist aber kleinstrukturiert und kann da nicht mithalten. Wenn es so weitergeht, kann der Gemüseanbau im Marchfeld nicht mehr so vielfältig sein wie jetzt."
Der jüngste Stand: Laut Betriebsrat wird weiter versucht, die Schließung des Ardo-Werks zu verhindern. Gleichzeitig laufen bereits Verhandlungen über einen Sozialplan. Betriebsratschef Dietmar Breiner sagt, man müsse derzeit vom "Worst Case" ausgehen. Nach aktuellem Plan sollen Teile des Werks schrittweise stillgelegt werden, im Sommer 2027 soll endgültig Schluss sein.
Einfach auf andere Feldfrüchte umzusteigen, ist für Eliskases keine sichere Lösung. Sie erinnert an das Jahr 2025, als es bei Erdäpfeln eine starke Überproduktion gegeben habe. "Da gab es so viele Erdäpfeln, dass der Preis noch schlimmer im Keller war und wir nicht mehr wussten, wohin mit der ganzen Ware." Wenn nun noch mehr Bauern auf Erdäpfel oder Zuckerrüben ausweichen, könnte sich das Problem wiederholen. Gleichzeitig sei das Saatgut teuer.
Besonders belastend sei die Suche nach neuen Abnehmern. "Es ist psychisch enorm frustrierend, wenn man jede Woche aufs Neue herumtelefonieren soll und sagen muss: Bitte, bitte nimm mein tolles Gemüse zu dem Spottpreis, den du mir bietest!"
Laut Landwirtschaftskammer sind rund 500 Mitgliedsbetriebe der Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse Teil der bisherigen Wertschöpfungskette. Auf rund 3.300 Hektar wird Gemüse für die Verarbeitung produziert.
Für Eliskases geht es dabei um weit mehr als einzelne Felder. "Wenn es so weitergeht, gibt es bald keine Landwirte mehr in Österreich", warnt sie. Ohne den eigenen Hofladen Trimmel, den sie mit ihrem Mann führt, wäre die Lage für ihren Betrieb noch schwieriger: "Zumindest da bekommen wir einen fairen Preis."
Wie unsicher das Geschäft für die Bauern geworden ist, bringt Eliskases mit einem bitteren Vergleich auf den Punkt: "Eine Landwirtschaft ist wie Lottospielen, aber ohne Spaß."