Die Dürre hinterlässt auf Österreichs Feldern deutliche Spuren. Der heimische Zuckerproduzent Agrana rechnet heuer mit einem massiven Einbruch bei der Zuckerrübenernte. Bis zu 40 Prozent weniger Rüben sollen die Bauern liefern.
"Wir können den Handel ganz normal beliefern", beruhigt Agrana-Chef Stephan Büttner im Gespräch mit der APA. Der Hersteller von "Wiener Zucker" verfüge über ausreichend gefüllte Lager. Zusätzliche Zuckermengen müsse das Unternehmen daher nicht zukaufen.
Die Zahlen zeigen das ganze Ausmaß der Ernteausfälle. Während die österreichischen Bauern im Vorjahr noch 1,9 Millionen Tonnen Zuckerrüben lieferten, rechnet Agrana heuer nur noch mit rund 1,1 Millionen Tonnen. Das entspricht einem Rückgang von rund 800.000 Tonnen.
Auch bei der Zuckerproduktion macht sich das bemerkbar. Aus der vergangenen Ernte wurden in der Fabrik in Tulln rund 310.000 Tonnen Zucker gewonnen. Heuer dürften es nur etwa 200.000 Tonnen werden. Mittlerweile wird die gesamte österreichische Zuckerrübenernte in Tulln verarbeitet. Die Ernte läuft üblicherweise von September bis November.
Brisant: Während die Erntemengen einbrechen, ziehen die Preise auf dem Weltmarkt kräftig an. An den internationalen Warenterminbörsen ist Zucker in den vergangenen drei Monaten von einem Rekordtief aus um rund 40 Prozent teurer geworden. Ob sich dieser Anstieg auch auf die Preise im heimischen Supermarkt auswirkt, ist derzeit offen.
Nicht nur Österreich kämpft mit den Folgen der Trockenheit. Auch die vier weiteren Zuckerfabriken des Agrana-Konzerns in Zentral-, Ost- und Südosteuropa bekommen deutlich weniger Zuckerrüben geliefert.
Für Agrana kommt der Ernteeinbruch in einer wirtschaftlich schwierigen Phase. Wegen der niedrigen Zuckerpreise musste der Konzern im März 2025 seine Zuckerproduktion in Leopoldsdorf im Marchfeld sowie im tschechischen Hrušovany einstellen – "Heute" berichtete. Im vergangenen Geschäftsjahr schrieb das Unternehmen einen Verlust von 35,6 Millionen Euro. Zudem sank die Mitarbeiterzahl um 600 auf rund 8.400.
Immerhin: Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres verbesserte sich das Konzernergebnis deutlich von 1,1 auf 37,5 Millionen Euro. "Trotz des herausfordernden Marktumfelds konnten wir unsere operative Performance verbessern", erklärte Büttner im APA-Gespräch.
Für Naschkatzen bleibt vorerst alles beim Alten: Trotz der massiven Ernteausfälle soll es in Österreich weiterhin genügend Zucker geben. Ob die Preise im Supermarkt stabil bleiben, ist allerdings noch nicht absehbar.