Nach der angekündigten Schließung des Tiefkühl-Werks von Ardo Austria Frost in Groß-Enzersdorf sitzt der Schock in der Region tief. Rund 190 Mitarbeiter und etwa 50 Leiharbeitskräfte sind betroffen – "Heute" berichtete. Doch die Folgen reichen weit über das Werk hinaus.
Groß-Enzersdorfs Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec (SPÖ) zeigt sich im "Heute"-Gespräch tief betroffen: "Ich bin zutiefst getroffen und enttäuscht über die Nachricht, die mir am Donnerstag mitgeteilt wurde", sagt sie.
Besonders das Schicksal der Mitarbeiter beschäftigt die Bürgermeisterin. Viele hätten einen großen Teil ihres Berufslebens im Tiefkühl-Werk verbracht, viele haben Kinder, manche bauen gerade ein Haus. "240 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz. Da hängen aber auch so viele Familien drinnen und Mitarbeiter, die wirklich seit Jahrzehnten gute Arbeit für das Tiefkühl-Werk geleistet haben", sagt Obereigner-Sivec.
Für Groß-Enzersdorf ist Ardo weit mehr als nur ein großer Arbeitgeber. "Das Werk ist ein Wirtschaftsfaktor in der Region", betont die Bürgermeisterin.
Neben den Mitarbeitern trifft das geplante Aus auch Zulieferer und die Landwirtschaft im Marchfeld. Rund 270 Gemüsebauern könnten einen wichtigen Abnehmer verlieren. Obereigner-Sivec hat bereits kurz nach der Kundgabe der Schließung mit Betroffenen gesprochen: "Ich habe noch am Donnerstag mit einigen Landwirten telefoniert, auch die sind erschüttert."
Eine schnelle Lösung für die wegfallenden Arbeitsplätze sieht sie nicht. "Die betroffenen Arbeitsplätze kann unsere Gemeinde allein nicht auffangen. Die ganze Region ist tief betroffen, wir können das alle noch gar nicht greifen."
Ardo begründet die geplante Schließung unter anderem mit hohem Investitionsbedarf, der Kostensituation und dem Marktpotenzial. Das Werk sei in die Jahre gekommen, gleichzeitig sei die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen europäischen Standorten begrenzt.
Die Bürgermeisterin erinnert aber auch: "Dabei müssen wir doch auf unsere Region schauen und auf die Arbeitsplätze hier!"
Besonders bitter sei das Aus wegen der engen Verbindung zwischen dem Werk und den Bauern im Marchfeld. "Das Werk hatte ja eine Symbiose mit der Landwirtschaft, wir haben hier so tolle und fruchtbare Böden. Die Landwirtschaft hat sich extra auf das Werk abgestimmt", erklärt die Stadtchefin gegenüber "Heute".
Die Gemüseproduktion im Werk soll voraussichtlich noch bis Dezember 2026 weiterlaufen. Danach ist ein schrittweiser Auslauf geplant. Ab August 2027 will sich Ardo in Österreich auf den Vertrieb konzentrieren. Das Gemüse für heimische Kunden soll dann aus anderen Werken des Konzerns in der EU kommen.