Ardo-Aus in NÖ

ÖVP-Abgeordnete deutet Geheimplan im Tiefkühl-Krieg an

Mehr als 80 Prozent des heimischen Tiefkühlgemüses kommen aus einem Werk. Jetzt soll es schließen – mit Folgen weit über das Marchfeld hinaus.
Newsdesk Heute
09.10.2026, 12:19
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Versorgungssicherheit des Landes war ein Argument für die Dürrehilfe im Sommer, dabei wird hierzulande mehr Milch und Fleisch erzeugt, als gegessen wird. Ganz anders ist das bei Gemüse, Österreich kann sich nur zu 55 Prozent selbst versorgen – inklusive Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld.

Mit der angekündigten Schließung des Tiefkühlwerks von Ardo Austria Frost in Groß-Enzersdorf droht sich diese Situation noch massiv zu verschlimmern. Die heurige Ernte soll die letzte sein, wenn diese fertig verarbeitet ist, will das Management des belgischen Konzerns alle Maschinen abbauen und ins Ausland verlegen.

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Im Marchfeld selbst sind von dem Ardo-Aus rund 240 Beschäftigte und etwa 500 bäuerliche Betriebe betroffen. Sie fürchten um ihre Zukunft. Doch nicht nur die Region Marchfeld steht vor einer Katastrophe, die Folgen werden bundesweit zu spüren sein.

Ardo, obwohl bis vor Kurzem wohl den wenigsten Österreichern ein Begriff, ist ein Branchen-Goliath: 4 von 5 Tiefkühlgemüse-Packerl, die auf den heimischen Tellern landen, stammen aus dem Werk in Groß-Enzersdorf. Dort wird nicht nur für Iglo erntefrisch gefrostet, sondern auch für die großen Supermarktketten und ihre Eigenmarken.

"Spinat in jeder Art und Weise würde mit der Zeit verschwinden, genauso wie das Rotkraut. Da gibt es keine zweite Verarbeitungslinie in Österreich", warnt der Obmann der betroffenen Bauern.

Die Politik ist nicht untätig. Alle Vorschläge zur Rettung oder zumindest kurzfristigen Weiterführung des Standorts wurden vom Ardo-Management abgeschmettert.

"Das ist ein kaltblütiges Abdrehen der österreichischen Gemüseproduktion. Da hat niemand Verständnis. Das ist in Wahrheit eine Kriegserklärung", tobte Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf nach dem Gespräch am Mittwoch.

Die Österreich-Geschäftsführung von Ardo habe null Verständnis für die Anliegen der Politik gezeigt und sei keinen Millimeter von ihrem Schließungszeitplan abgewichen, heißt es.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig hat sich deshalb kürzlich mit einem Brief direkt an die Eigentümer-Familien in Belgien gewandt, hofft dort auf weniger taube Ohren zu stoßen – eine Antwort steht noch aus.

Könnte die Regierung notfalls schärfer eingreifen?

"Sie können sich darauf verlassen, dass wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt werden und auf höchster Ebene an einer Lösung gearbeitet wird", betont Angela Baumgartner, ÖVP-Abgeordnete und Bürgermeisterin im Bezirk Gänserndorf. Derzeit herrscht aber offenbar Redeverbot: "Wir können erst darüber sprechen, wenn alle Tücher im Trockenen sind".

GPA-Gewerkschaftschefin Barbara Teiber (SPÖ) appelliert derweil an die Handelsketten, weiter auf österreichisches Tiefkühlgemüse zu bestehen. Auch das könne den Druck auf Ardo erhöhen.

Biobäuerin und NEOS-Abgeordnete Karin Doppelbauer fordert eine Senkung von Energiepreisen, Lohnnebenkosten und Bürokratieaufwand: "Hilfspakete reparieren nur die Folgen, entscheidend ist, die Ursachen anzugehen."

red,Akt. 09.10.2026, 12:27, 09.10.2026, 12:19