Für die Gemüsebauern im Marchfeld wird die Lage immer ernster. Der belgische Tiefkühlkonzern Ardo will sein Werk in Groß-Enzersdorf schließen und lässt sich bisher auch von der österreichischen Politik nicht umstimmen. Jetzt wächst der Druck auf die Eigentümer.
Nach einem weiteren gescheiterten Krisengespräch setzt die Politik auf einen Brief an die Konzernspitze. Gleichzeitig steht eine politische Kampfansage im Raum, die auch den Lebensmittelhandel und die Konsumenten betrifft – das berichtet der KURIER.
Am Mittwoch trafen sich Vertreter der österreichischen Spitzenpolitik erneut mit Managern des belgischen Unternehmens. Doch auch der zweite Krisengipfel brachte keine Annäherung. Ardo hält an der geplanten Schließung fest. Weder ein Verkauf der Tiefkühlfabrik an österreichische Investoren noch eine Verpachtung kommen für den Konzern derzeit infrage.
Nach rund eineinhalb Stunden endeten die Gespräche aber schon. Die Manager reisten laut KURIER anschließend zurück nach Belgien. Ein Unternehmenssprecher erklärte am Donnerstag, dass aktuell kein weiteres Treffen mit österreichischen Politikern vorgesehen sei.
Ganz aufgeben will die Politik das Werk dennoch nicht. In einem Schreiben an die belgischen Eigentümer werden mehrere Möglichkeiten vorgeschlagen. Ardo soll die Fabrik entweder noch ein bis zwei Jahre weiterbetreiben, an Investoren verkaufen oder verpachten, heißt es in dem Bericht der Tageszeitung.
Damit soll Zeit gewonnen werden, um im Marchfeld eine Lösung für die Zukunft der Gemüseverarbeitung zu finden.
Besonders groß sind die Sorgen bei der Erzeugergenossenschaft Tiefkühlgemüse (ETG). Sie vertritt rund 500 Landwirte und beliefert hauptsächlich Ardo. "Ohne das Ardo-Werk ist das eine mittelgroße Katastrophe", warnt ETG-Obmann Robert Kriegl im KURIER.
Die Genossenschaft war bei den Krisengesprächen nicht dabei. Nach Angaben Kriegls sei sie auf Wunsch von Ardo "ausgeladen" worden. Nun muss sich die ETG nach anderen Abnehmern umsehen.
Als möglicher Partner gilt der Tiefkühlproduzent Schneider's Gemüseland aus Groß-Enzersdorf. Eine Geschäftsbeziehung mit der Genossenschaft besteht bisher nicht. "Noch nicht", sagt Kriegl gegenüber dem KURIER.
"Wir werden Gespräche führen. Sobald Ardo kein österreichisches Tiefkühlgemüse mehr liefern kann, wird wahrscheinlich auch die Firma Schneider mehr gefragt sein."
Allerdings ist auch der Familienbetrieb selbst von der Ardo-Schließung betroffen. Das Unternehmen liefert Zuckermais an den Konzern.
Schneider's Gemüseland stellt bereits 20 Tiefkühlprodukte für Spar her. Ab Sommer 2027 sollen fünf weitere Produkte dazukommen. Josef Schneider junior führt den Betrieb gemeinsam mit seinen Geschwistern Barbara Kargl und Thomas Schneider.
"Wir arbeiten schon seit zehn Jahren mit Spar zusammen", erklärt er gegenüber der Tageszeitung. Die Erweiterung um fünf Produkte sei allerdings "keine Riesenmenge oder große Sache".
Zur Entwicklung rund um Ardo hält er im KURIER fest: "Wir verfolgen das Thema Ardo aus den Medien. Man wird sehen, wie das Ganze weitergeht." Auch Barbara Kargl hofft, dass die Gespräche über die Zukunft des Werks noch nicht endgültig beendet sind: "Ich hoffe schon, dass noch weitere Gespräche folgen werden", sagt sie.
Der Familienbetrieb bezieht sein Gemüse "vorwiegend" aus den eigenen Landwirtschaftsbetrieben Gemüseland Schneider GesnbR und Bioland Schneider GmbH.
Für Josef Schneider junior kommen die wirtschaftlichen Probleme der Branche nicht überraschend. "Das Tiefkühl-Geschäft ist nicht einfach", erklärt er dem KURIER. "Es ist mit sehr großen Investitionen verbunden."
Gerade auf einem vergleichsweise kleinen Absatzmarkt wie Österreich seien solche Ausgaben eine Herausforderung. "Das muss sich am Ende des Tages rechnen", betont Schneider. ETG-Obmann Kriegl sieht das im KURIER ähnlich. "Das Tiefkühlgeschäft ist deshalb schwierig, weil es ein sehr internationaler und globaler Markt ist", erklärt er.
"Es gibt Regionen in Europa, die einfach günstiger produzieren können, die andere Fördermittel bekommen, für was auch immer. Es gibt mittlerweile auch Tiefkühlwerke in Ägypten, in China und sonst wo."
Eine Chance für heimisches Gemüse sieht Kriegl vor allem dann, wenn der Lebensmittelhandel bereit ist, "für diese österreichische Herkunft des Gemüses vielleicht mehr zu bezahlen, dann wird das vielleicht gehen, aber ansonsten nicht", stellt er im KURIER klar.
Hohe Arbeits- und Energiekosten würden die heimische Herstellung zusätzlich belasten. "Darum sind wir in der Produktion schon mal teurer", sagt Kriegl.
Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) geht nun mit deutlichen Worten gegen den belgischen Konzern vor. "Wenn das Werk in Groß-Enzersdorf schließt, kommt das Gemüse bald aus Belgien – das ist das Ziel von Ardo", behauptet Pernkopf.
Er fordert eine gemeinsame Reaktion von Bauern, Lebensmittelhandel und Konsumenten: "Ardo nimmt den Österreichern das Marchfeld-Gemüse weg. Doch das werden sich die österreichischen Konsumenten und Bauern nicht gefallen lassen. Wir brauchen jetzt rasch einen Schulterschluss zwischen Handel, Qualitätsmarken wie Iglo, Konsumenten und Bauern."
Ob der Brief an die belgischen Eigentümer noch etwas bewirken kann, ist offen. Während Ardo an der Schließung festhält, müssen die betroffenen Bauern bereits nach neuen Absatzmöglichkeiten suchen.