Tiefkühl-Krieg in NÖ

"TK-Spinat in jeder Art und Weise wird verschwinden"

Die Schließung des Ardo-Werks bedroht die heimische Gemüseproduktion. Spinat und Rotkraut aus Österreich würden aus Tiefkühl-Regalen verschwinden.
Newsdesk Heute
08.10.2026, 09:24
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Für heimisches Tiefkühlgemüse wird es eng: Das Werk von Ardo Frost Austria in Groß-Enzersdorf wird Ende August 2027 dichtgemacht. Damit verlieren nicht nur die Marchfelder Gemüsebauern den bislang wichtigsten Verarbeiter, es fällt die zentrale Infrastruktur für die Tiefkühlverarbeitung von Blattgemüse weg.

Die Folgen werden bundesweit spürbar: "Spinat in jeder Art und Weise würde mit der Zeit verschwinden, genauso wie das Rotkraut. Da gibt es keine zweite Verarbeitungslinie in Österreich", warnt der Obmann der rund 500 betroffenen Bauern.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Für die Gemüsebaubetriebe bedeutet das eine massive Zäsur: Verarbeitungsgemüse lässt sich nicht ohne Weiteres auf andere Absatzwege umstellen: Der Anbau erfordert langfristige Planung, spezielle Maschinen und Technik. Auch Ernte und Transport müssen exakt auf die Verarbeitung abgestimmt sein.

Viele Betriebe haben diese Investitionen im Vertrauen auf eine langfristige Zusammenarbeit getätigt. Nun wird ihnen diese Perspektive geraubt.

Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, betont: "Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, dass Produktion und Wertschöpfung in Österreich erhalten bleiben. Es geht um die Zukunft bäuerlicher Familien und ihrer Betriebe, aber genauso um Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln."

Auch Karl Auer, Obmann des NÖ Gemüsebauverbandes (NGV), warnt: "Was hier auf dem Spiel steht, ist die Zukunft der heimischen Gemüseproduktion. Es geht um Betriebe, Arbeitsplätze und Investitionen – aber auch um Wissen, Erfahrung und eine regionale Lebensmittelproduktion, die über Jahrzehnte aufgebaut wurde".

Nach dem Ende der Zuckerproduktion in Leopoldsdorf droht der Region nun der Verlust eines weiteren bedeutenden Verarbeitungsstandorts für landwirtschaftliche Rohstoffe. Das trifft nicht nur einzelne Höfe, sondern gewachsene Produktionsstrukturen im Marchfeld.

Das belgische Unternehmen begründet die Schließung des Standorts Groß-Enzersdorf mit wirtschaftlichen Problemen. Energie, Arbeit und Rohstoffe seien in Österreich deutlich teurer als in anderen europäischen Regionen.

Sämtliche politischen Rettungsangebote wurden, zuletzt am Mittwoch, durch das Ardo-Management jedoch abgeschmettert. Auch der Einstieg zweier Investoren wurde abgelehnt. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig ortet deshalb böses Spiel: Die Belgier würden offenbar österreichisches Gemüse aus dem Handel drängen wollen.

"Das ist ein kaltblütiges Abdrehen der österreichischen Gemüseproduktion. Da hat niemand Verständnis. Das ist in Wahrheit eine Kriegserklärung", tobt auch Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP).

Ein kleinerer Tiefkühlspezialist in Groß-Enzersdorf sucht inzwischen nach Möglichkeiten, zur Lösung beizutragen. Die gesamten Ardo-Kapazitäten kann dieser Betrieb allerdings nicht ersetzen.

red,Akt. 08.10.2026, 13:43, 08.10.2026, 09:24