Rund 240 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, zahlreiche Gemüsebauern bangen aktuell um ihre Zukunft: Die geplante Schließung des Tiefkühlwerks Ardo in Groß-Enzersdorf (Gänserndorf) sorgt weiter für politische Turbulenzen – "Heute" berichtete. Jetzt schießt FPÖ-Agrarsprecher Peter Schmiedlechner scharf gegen die ÖVP.
"Wenn Österreich nicht einmal mehr Tiefkühlerbsen und Spinat wettbewerbsfähig verarbeiten kann, dann ist das eine Bankrotterklärung unserer Standortpolitik!", wettert der niederösterreichische Nationalratsabgeordnete.
Besonders scharf kritisiert Schmiedlechner den Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und den Landwirtschaftskammervertreter Lorenz Mayr. Beide würden sich nach der angekündigten Werksschließung als empörte Retter präsentieren, obwohl sie laut Schmiedlechner politische Mitverantwortung für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen tragen.
"Dieses politische Schattenboxen ist an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten!", kritisiert der Freiheitliche. Für das Marchfeld droht nach dem Aus der Zuckerfabrik in Leopoldsdorf der nächste wirtschaftliche Rückschlag. Neben rund 190 Beschäftigten und 50 Leiharbeitskräften sind auch zahlreiche Gemüsebauern betroffen, die bisher an Ardo geliefert haben.
Schmiedlechner sieht die Ursachen nicht nur beim belgischen Konzern, sondern auch in der österreichischen Standortpolitik. Hohe Energiepreise, die CO2-Bepreisung, steigende Produktionskosten und Bürokratie würden heimische Betriebe zunehmend unter Druck setzen.
Ardo selbst begründet die geplante Schließung mit hohen Kosten, mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und einem erheblichen Investitionsbedarf. Der Konzern hält trotz angebotener staatlicher Unterstützung an seinem Vorhaben fest. Bis 2027 soll die Produktion in Groß-Enzersdorf endgültig eingestellt werden.
Für Schmiedlechner ist klar: Die Politik müsse jetzt handeln. Bund, Land und Landwirtschaftskammer sollen gemeinsam mit der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft innerhalb von 30 Tagen einen konkreten Plan zur Weiterführung des Werks oder für eine alternative regionale Verarbeitung vorlegen.
Außerdem fordert der FPÖ-Politiker die Abschaffung der CO2-Bepreisung und eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung auch für verarbeitete Lebensmittel. Auch die betroffenen Bauern und Beschäftigten dürften nicht auf der Strecke bleiben. Absatzmärkte und Lieferverträge müssten abgesichert, Finanzierungsmöglichkeiten für eine bäuerliche Beteiligung geprüft und ein Sozialplan ausgearbeitet werden.
Schmiedlechner will jedenfalls eine österreichische Lösung auf den Tisch bringen. Wenn öffentliche Gelder zur Unterstützung eines internationalen Konzerns angeboten würden, müsse auch eine heimische Alternative unterstützt werden können. "Unsere Bauern brauchen keine politischen Schattenboxkämpfe, sondern faire Produktionsbedingungen, sichere Absatzmärkte und eine Zukunft für ihre Betriebe", betont der FPÖ-Mann.
Seine abschließende Botschaft an Totschnig und Mayr: Sie müssten jetzt konkrete Ergebnisse liefern. Sein Motto: "Regional statt global – heimische Bauern, heimische Verarbeitung und österreichische Lebensmittel zuerst!" Ob sich für das Werk trotz der Absage des belgischen Konzerns noch eine heimische Lösung findet, bleibt offen.