Österreich gehen die Lehrlinge aus! Während zahlreiche Unternehmen über einen Mangel an Fachkräften klagen, bilden immer weniger Betriebe selbst Nachwuchs aus. Für Niederösterreichs Arbeiterkammer-Präsident und ÖGB-NÖ-Chef Markus Wieser ist das ein Widerspruch. Er richtet nun deutliche Worte an die Wirtschaft.
"Wenn man qualifizierte Fachkräfte möchte, dann muss man sie auch selbst ausbilden", stellt Wieser klar. Es reiche nicht aus, ständig über fehlendes Personal zu jammern, ohne selbst aktiv zu werden.
Die Zahlen zeigen eine deutliche Entwicklung: Gab es im Jahr 2010 österreichweit noch 37.654 Lehrbetriebe, waren es zuletzt nur noch rund 25.000. Das entspricht einem Rückgang von 33,6 Prozent.
Auch bei den Lehrlingen selbst sieht es nicht besser aus. Während 2010 noch rund 130.000 Jugendliche in Betrieben ausgebildet wurden, waren es zuletzt erstmals weniger als 100.000. Ein Minus von 23,1 Prozent.
Wieser erinnert daran, dass Unternehmen zahlreiche Förderungen und Unterstützungen für die Lehrlingsausbildung erhalten können. Wer künftig gut ausgebildete Mitarbeiter brauche, müsse deshalb auch selbst Verantwortung übernehmen. "Nur einen Mangel zu beklagen, jedoch selbst nichts gegen diesen zu tun, ist zu wenig", kritisiert der AK-Präsident.
Dass es auch anders geht, würden zahlreiche erfolgreiche Betriebe zeigen. Diese setzen laut Wieser seit Jahren auf selbst ausgebildete Fachkräfte. Der Vorteil: weniger Personalprobleme und Mitarbeiter, die dem Unternehmen oft viele Jahre treu bleiben.
Für Wieser steht fest, dass es angesichts der rückläufigen Zahlen dringend ein Umdenken braucht. Statt über den Fachkräftemangel zu klagen, müssten Unternehmen wieder verstärkt in die Ausbildung junger Menschen investieren.
"Es sind jetzt alle gefordert, dieser Entwicklung mit allen Möglichkeiten entgegenzutreten", appelliert Wieser abschließend. Für den AK-Chef ist die Rechnung einfach: Wer morgen Fachkräfte haben will, muss sie heute ausbilden.