50.000 Euro Schulden, eine gescheiterte Selbstständigkeit und eine Casinosucht: Ein 33-jähriger Handwerker versucht seit zwei Jahren, sein Leben finanziell wieder in den Griff zu bekommen. In einem Beitrag auf Reddit schildert er, wie weit er bereits gekommen ist – und warum ihm ausgerechnet jetzt die Motivation fehlt.
Von den ursprünglich 50.000 Euro Schulden seien noch rund 20.000 Euro übrig. Der Mann arbeitet in seinem Hauptberuf als Handwerker und verdient nach eigenen Angaben 2.600 Euro netto im Monat. Dazu kommt ein Nebenjob im Eventbereich, bei Hochzeiten und in Clubs, der weitere 1.000 bis 1.400 Euro netto einbringt.
Damit kommt er insgesamt auf 3.600 bis 4.000 Euro monatlich. Zwischen 2.500 und 3.000 Euro davon verwendet er für die Rückzahlung seiner Schulden. Sein Ziel: Ende 2027 soll alles abbezahlt sein. Der finanzielle Druck sei inzwischen geringer als früher, doch der lange Weg zehre an seinen Kräften.
Besonders beschäftigt den 33-Jährigen, wie sich sein Umgang mit Geld verändert hat. Während seiner Spielsucht habe er Beträge schnell ausgegeben und sich eingeredet, kleinere Summen seien nicht der Rede wert. Heute schmerze es ihn, zusätzlich 200 Euro für die Schuldentilgung aufzubringen – obwohl genau das seine finanzielle Lage verbessert.
Er beschreibt das als eine der schwierigsten Folgen seiner früheren Sucht: Geld wieder richtig einschätzen zu lernen. Gleichzeitig betont er, dass er sich bereits Hilfe geholt und an sich gearbeitet habe. Bei verschiedenen Unterstützungsangeboten sei er gewesen, außerdem habe er sich in Casinos sperren lassen. Seit längerer Zeit spiele er nicht mehr. Ganz abgeschlossen sei das Thema für ihn aber noch nicht.
Der Mann betont in seinem Beitrag, dass er kein Mitleid suche. Er wolle vor allem Tipps von Menschen, die eine ähnliche Situation erlebt und ihre Schulden hinter sich gelassen haben. Nach zwei Jahren, in denen ein großer Teil seines Einkommens für die Rückzahlung draufgeht, sei er müde geworden. Er wolle endlich wieder selbst über sein Leben bestimmen können.
Viele Antworten fallen aufmunternd aus. Nutzer loben, wie konsequent der Mann seine Schulden abbaut und dass er sich Unterstützung gesucht hat. Ein Kommentator schlägt vor, zunächst kleinere Kredite vollständig zu tilgen, statt ausschließlich die Schulden mit den höchsten Zinsen zuerst anzugehen. So werde die Liste der offenen Verbindlichkeiten kürzer und der Fortschritt sichtbarer.
Andere raten ihm, sich auch nach der Entschuldung Hilfe zu holen und mögliche Rückfälle ernst zu nehmen. Ein Kommentator empfiehlt eine langfristige Therapie und warnt davor, später die Börse als Ersatz für das Glücksspiel zu nutzen. Der Verfasser selbst erklärt allerdings, dass er aktuell keine Angst vor einem Rückfall habe. Seine schwindende Motivation hänge vielmehr damit zusammen, dass er seit zwei Jahren viel arbeite und gleichzeitig große Teile seines Geldes wieder abgeben müsse.
Ein weiterer Nutzer rechnet vor, dass bei monatlichen Tilgungen von bis zu 3.000 Euro die restlichen 20.000 Euro rechnerisch schneller verschwinden könnten. Der Verfasser erklärt daraufhin, dass noch Zinsen anfielen und er deshalb vorsichtshalber mit bis zu zwölf weiteren Monaten kalkuliere.
Der 33-Jährige hat bereits einen großen Teil seiner Schulden abgebaut. Trotzdem zeigt seine Geschichte, dass der Weg zurück nicht nur aus Zahlen und monatlichen Raten besteht. Wer lange auf einen großen Teil seines Einkommens verzichten muss, kann trotz sichtbarer Fortschritte erschöpft sein.
Sein Ziel ist deshalb mehr als ein ausgeglichener Kontostand. Er will nach der Entschuldung ein neues Leben beginnen und wieder freier über sein Geld entscheiden können. Die Reaktionen auf Reddit zeigen vor allem Anerkennung für diesen langen Prozess – und den Rat, neben der finanziellen Rückzahlung auch die eigene Stabilität im Blick zu behalten.