Eigentlich wollte seine Frau nur einkaufen gehen. Doch für Leopold Fichtinger aus Groß Gerungs wurde der Ausflug zum Start eines ungewöhnlichen Hobbys – und später zu einer echten Mission über mehrere Jahrzehnte.
Der 61-Jährige plant und baut beruflich Fertigbauhäuser, seit 2010 führt er nebenbei eine Edelkrebs-Zucht in Groß Gerungs (Bezirk Zwettl). "Meine Frau wollte damals shoppen gehen. Das hat mich weniger interessiert, also bin ich mit den Kindern in die Tierhandlung", erzählt Fichtinger. Dort sah er zum ersten Mal Edelkrebse – und war sofort fasziniert.
Kurz darauf kaufte er zwei Tiere für den eigenen Schwimmteich, erzählt er im "Heute"-Gespräch. Als seine Frau merkte, wie sehr ihn das Thema packte, schenkte sie ihm zu Weihnachten ein spezielles Krebsseminar. "Seither bin ich im Thema drin", sagt der Waldviertler. Er ist einer von nur zwei Edelkrebszüchtern in ganz Österreich, die andere Zucht befindet sich in Kärnten.
Heute leben auf seinem Gelände in zehn Teichen und an deren Flussufer geschätzt zwischen 20.000 und 50.000 Edelkrebse. Die Wasserfläche erstreckt sich über 8.000 Quadratmeter, die gesamte Bodenfläche misst sogar 20.000 Quadratmeter. Denn die Tiere verstecken sich am liebsten am dicht bepflanzten Ufer zwischen Steinen.
Fichtingers Ziel: Der Europäische Edelkrebs soll erhalten bleiben. "Er steht auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten", erklärt der 61-Jährige. Mit seiner Zucht will er das Fortbestehen der Art sichern. Trotzdem dürfen Züchter einige gefährdete Tiere auch verwerten. Für ihn ist das kein Widerspruch, sondern Teil des Konzepts.
"Mein Motto ist Schutz durch Nutzung. Weil die Tiere genutzt, also verspeist werden, wird die Tierart gezüchtet und damit erhalten", sagt der 61-Jährige.
Seine Edelkrebse verkauft der Edelkrebs-Spezialist ausschließlich an den Bärenhof in Arbesbach, wo Koch Michael Kolm daraus edle Speisen kredenzt. Der Speisekrebs kostet dabei stolze 70 Euro pro Kilo.
Selbst isst Fichtinger seine Zuchttiere nur in Kleinstmengen: "Wenn ein Tier in der Zucht verletzt wird, esse ich meine Krebse auch selbst als Snack für Zwischendurch." Sein Urteil fällt eindeutig aus: "Das Fleisch ist sehr fein und schmeckt leicht süßlich – deutlich besser als ein Hummer."