Jagd nach "Inko1"

750.000 Euro Schaden! So flog Wiener Darknet-Boss auf

Mit einer perfiden Masche richtete ein Darknet-Netzwerk um einen Wiener hohen Schaden an. Schlussendlich machte der Kopf der Bande aber einen Fehler.
Newsdesk Heute
11.09.2026, 15:45
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Mindestens 750.000 Euro Schaden, mehrere Festnahmen und eine Razzia in einer Fälscherwerkstatt: In Wien spielte sich ein wahrer Darknet-Krimi ab, der seinen Ursprung im November 2024 nahm.

Damals schlug eine Bank in der Bundeshauptstadt Alarm. Grund waren mehrere Kontoeröffnungen mit gefälschten österreichischen Personalausweisen. Diese trugen zwar unterschiedliche Namen, hatten aber immer dasselbe Lichtbild.

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So lief die Masche ab

Laut einem Bericht der "Krone" sollen die Tatverdächtigen so über 200 Bankkonten bis Sommer 2025 eröffnet haben. Darüber wurden dann teure Smartphones bestellt. Ermittler Robert Meusburger sprach gegenüber der Tageszeitung von 3.000 bis 4.000 Euro pro Bestellung. Vereinzelt sollen die Mobiltelefone auch unter Verwendung von Konsumkrediten erworben worden sein.

Um eine Nachverfolgung zu erschweren, sollen die Tatverdächtigen unter den falschen Identitäten auch die bestellten Geräte an sogenannte "tote" Adressen oder Paketshops ohne Videoüberwachung liefern lassen haben. Die Waren wurden dann von Läufern abgeholt.

Spur führte zu "Inko1"

Die Spur führte die Ermittler schließlich ins Darknet. Dort soll der Haupttäter unter dem Namen "Inko1" auf der deutschen Plattform "Crime Network" unterwegs gewesen sein. Dort habe er die gefälschten Ausweise beworben und um rund 600 Euro pro Stück verkauft. Auch nach Läufern für Wien soll der Österreicher mit russischen Wurzeln gezielt gesucht haben.

Die Läufer haben dann Konten mit den gefälschten Identitäten eröffnet und diese dann teilweise im Darknet weiterverkauft. Da dies persönlich in den Filialen geschah, konnten die Ermittler umfangreiches Videomaterial sicherstellen. So wurden 35 unbekannte Tatverdächtige festgestellt und 30 von ihnen identifiziert.

Schlussendlich brachte jedoch die Zerschlagung von "Crime Network" durch deutsche Behörden den entscheidenden Hinweis. "Inko1" hinterlegte nämlich bei einem Kryptokonto seinen echten Ausweis – ein schwerer Fehler.

So wurde Darknet-Boss festgenommen

Laut den Ermittlungen der Polizei war das Netzwerk hierarchisch strukturiert. Ganz oben standen "Inko1" als Verkäufer und zwei weitere Österreicher – ebenfalls mit russischen Wurzeln. Einer fungierte als Fälscher. Der andere soll sein Assistent gewesen sein. Unter ihnen kamen dann die Rekrutierer und die Läufer. Einige würden aus dem Suchtgiftmilieu stammen. Bei drei Personen geht man davon aus, dass sie obdachlos waren.

So war das Netzwerk aufgebaut.
LPD Wien

Die Polizei war der Gruppe längst auf der Spur. Es folgten Scheinkäufe im Darknet, Observationen und Telefonüberwachungen. Dann machte der Kopf der Bande einen weiteren gravierenden Fehler. Er wurde gemeinsam mit einer Läuferin vor einer Bankfiliale fotografiert. Damit hatten die Beamten ein Gesicht sowie das Kennzeichen und die Marke eines Fahrzeugs. Des Weiteren fand man seine DNA auf dem Umschlag eines Scheinkaufs. Die Festnahme von "Inko1" erfolgte im August 2025.

Fälscherwerkstatt ausgehoben

Der nächste Schlag gelang den Ermittlern, nachdem Daten auf sichergestellten Handys und Computern zu Hintermännern gefunden wurden. Dadurch erfolgte im März dieses Jahres eine Razzia an einer Wohnung in Wien-Floridsdorf. Dort wurden Gerätschaften sichergestellt, die zur Herstellung der gefälschten Personalausweise verwendet worden sein dürften. Darüber hinaus wurden im Zuge des gesamten Ermittlungskomplexes unter anderem Bargeld, Kryptoguthaben, gefälschte Personalausweise sowie ein Kraftfahrzeug sichergestellt.

Insgesamt wurden zwölf weitere Personen festgenommen und zehn weitere Tatverdächtige ausgeforscht. Sie sollen zwischen 24 und 50 Jahre alt sein. Sie kommen aus Russland, Afghanistan, Serbien, Türkei und Österreich. Bisher kam es in der Causa zu zwölf rechtskräftigen Verurteilungen. Den drei mutmaßlichen Haupttätern soll Ende September der Prozess gemacht werden. Sie befinden sich in Untersuchungshaft.

red,Akt. 11.09.2026, 15:49, 11.09.2026, 15:45