Mobilfunkmasten sollen künftig deutlich mehr können als nur Telefonate und mobiles Internet ermöglichen. A1 baut sein Netz gemeinsam mit den Technologiepartnern Skyfora und Nokia zu einer Datenplattform aus, die sowohl hochpräzise Wetterdaten liefern als auch Störungen von Satellitensignalen erkennen kann. Die neue Technologie wird derzeit an ausgewählten Standorten in Österreich und Slowenien getestet und soll vor allem kritische Infrastrukturen besser schützen.
Im Mittelpunkt steht die Analyse von Signalen globaler Navigationssatellitensysteme (GNSS). Dazu zählen unter anderem GPS, Galileo, GLONASS und BeiDou. Diese Systeme werden täglich für Navigation, Logistik, Luftfahrt, Telekommunikation und zahlreiche weitere Anwendungen genutzt. Gleichzeitig liefern sie die präzise Zeitsynchronisation, auf der viele digitale Dienste aufbauen.
Die neue Technik nutzt bestehende Mobilfunkstandorte als verteiltes Sensornetzwerk. Dort werden GNSS-Signale kontinuierlich ausgewertet. Fallen ungewöhnliche Veränderungen auf, kann das auf sogenanntes Jamming oder Spoofing hindeuten. Beim Jamming werden Satellitensignale blockiert oder überlagert, während beim Spoofing gefälschte Signale ausgesendet werden, um Positions- oder Zeitdaten zu manipulieren.
Durch den Vergleich der Messwerte mehrerer Mobilfunkstandorte lassen sich betroffene Regionen laut A1 nahezu in Echtzeit erkennen. Zusätzliche Masten oder neue Infrastruktur seien dafür nicht erforderlich, weil die bestehende Mobilfunktechnik genutzt werde.
Christian Laqué, CTO von A1 Österreich, sagt: "Wir entwickeln unser Netzwerk kontinuierlich weiter und erschließen Funktionen, die weit über die reine Konnektivität hinausgehen. Indem wir die selbe technologische Basis nutzen, die auch die Wettermessung ermöglicht, können wir nun auch GNSS-Interferenzen erkennen und wertvolle Erkenntnisse für kritische Infrastrukturen gewinnen. Entscheidend ist, dass diese Informationen genau dort entstehen, wo sie gebraucht werden – mit hoher geografischer Auflösung und ohne dass zusätzliche Infrastruktur erforderlich ist."
Die Grundlage für die Erkennung von Satellitenstörungen stammt aus einem weiteren Projekt von A1. Gemeinsam mit Skyfora und Nokia nutzt das Unternehmen dieselbe Technologie bereits, um Wetterdaten zu erfassen. Dabei werden GNSS-Signale untersucht, die auf ihrem Weg durch die Atmosphäre unter anderem durch Luftfeuchtigkeit beeinflusst werden. Aus diesen Veränderungen lässt sich der Wasserdampfgehalt der Luft bestimmen, ein wichtiger Faktor für die Entstehung von Niederschlägen, Gewittern oder Nebel.
Mehrere Mobilfunkstandorte rund um die Seetaler Alpen in Kärnten, darunter Röthelstein, Weißkirchen, St. Georgen ob Judenburg, Turrach und Metnitz, liefern bereits Wetterdaten. Auch ein Standort von A1 Slowenien ist Teil des Pilotprojekts.
Nach Angaben der Projektpartner sollen die gewonnenen Daten bestehende Wettermodelle ergänzen und vor allem kurzfristige sowie kleinräumige Wetterereignisse genauer vorhersagbar machen. Gerade im alpinen Raum könne sich das Wetter innerhalb kurzer Zeit stark verändern. Genauere Daten könnten deshalb helfen, Sturzfluten früher zu erkennen, den Betrieb von Wasserkraftwerken zu optimieren und wetterbedingte Ausfälle bei kritischen Infrastrukturen zu reduzieren.
Auch Rettungsorganisationen, Energieversorger und Verkehrsmanagement-Systeme könnten von den zusätzlichen Informationen profitieren. Skyfora sieht darin einen wichtigen Beitrag für moderne KI-gestützte Wettermodelle, während Nokia betont, dass Mobilfunknetze künftig weit mehr leisten könnten als reine Konnektivität.