Der Messengerdienst WhatsApp rollt derzeit eine Funktion aus, die Nutzer von anderen Plattformen kennen: Benutzernamen. Statt die Handynummer weiterzugeben, soll man künftig über ein Pseudonym erreichbar sein. Seit dem 29. Juni können diese Namen bereits reserviert werden.
Was als Schutz der Privatsphäre gedacht ist, sorgt allerdings für erhebliche Bedenken. Besonders Indien, wo WhatsApp über 700 Millionen Nutzer hat, schlägt Alarm.
Das indische Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie (MeitY) hat Meta eine Warnung geschickt, meldet Focus Online unter Berufung auf TechCrunch. In dem Schreiben heißt es, die neue Funktion könne "die Häufigkeit von Online-Betrug, Phishing, Betrugsmaschen mit vorgetäuschten Festnahmen und Identitätsdiebstahl erheblich erhöhen".
Der Grund: Betrüger könnten User kontaktieren, ohne deren Telefonnummer zu kennen. Zudem warnt das Ministerium, dass Benutzernamen die Identitätsfälschung von Personen, Behörden und Finanzinstituten erleichtern könnten. Indien fordert WhatsApp auf, die Funktion bis zum Abschluss einer Anhörung zurückzuhalten.
WhatsApp verweist auf Schutzmaßnahmen: Bestimmte Benutzernamen könnten gar nicht erst reserviert werden. Auch Namen von Prominenten und öffentlichen Personen seien geschützt. Doch laut ersten Tests konnten zahlreiche Namensvarianten von indischen Politikern und Bollywood-Stars problemlos registriert werden.
Auch die Verbraucherzentrale NRW sieht Probleme: Wer den eigenen Instagram- oder Facebook-Namen bei WhatsApp nutzen will, muss sein Konto mit Meta verknüpfen – das ermöglicht plattformübergreifendes Tracking. Die Empfehlung lautet daher, ein Pseudonym zu wählen und nicht den echten Namen.
Wer sich vor unerwünschten Nachrichten schützen will, kann einen sogenannten Benutzernamenschlüssel aktivieren. Dann ist man nur erreichbar, wenn der Absender sowohl Namen als auch Schlüssel kennt.