Bereits mit 100.000 Euro frei verfügbarem Vermögen kann man in eine besondere Kundengruppe bei Banken fallen. Für Österreich ist diese Summe besonders interessant: Sie entspricht mehr als drei Jahres-Nettoeinkommen eines durchschnittlichen unselbständig Beschäftigten.
Wann ist jemand reich? Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Für Banken ist die Sache allerdings nüchterner. Entscheidend sind nicht das Auto vor der Tür, die Größe der Wohnung oder teure Urlaubsreisen. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie viel Geld ein Kunde tatsächlich veranlagen kann.
In der Finanzbranche werden Kunden deshalb nach ihrem verfügbaren Vermögen in verschiedene Gruppen eingeteilt. Bereits ab rund 100.000 Euro liquiden beziehungsweise investierbaren Vermögens beginnt die Kategorie der sogenannten "Affluents". Gemeint sind damit wohlhabende Kunden.
Die Grenze wirkt auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so spektakulär. Für österreichische Arbeitnehmer ist sie allerdings eine beträchtliche Summe. Das Median-Netto-Monatseinkommen lag 2024 laut Statistik Austria bei 2.711 Euro.
Wer also 100.000 Euro frei verfügbar hat, besitzt damit das Äquivalent von rund 37 durchschnittlichen Netto-Monatsgehältern. Anders ausgedrückt: Selbst wenn das gesamte Einkommen gespart werden könnte, wären dafür mehr als drei Jahre notwendig.
Die nächste Grenze liegt bei einer Million Euro. Ab diesem Betrag wird in der Finanzwelt häufig von einem "High Net Worth Individual", kurz HNWI, gesprochen. Damit befindet sich ein Kunde aus Sicht vieler Banken in einer ganz anderen Vermögensklasse.
Für Österreich lässt sich auch diese Summe gut ins Verhältnis setzen. Eine Million Euro entspricht rund 369 Median-Netto-Monatsgehältern. Bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 2.711 Euro wären das mehr als 30 Jahre Einkommen.
Dabei handelt es sich allerdings um eine reine Vergleichsrechnung. Niemand würde 30 Jahre lang sein komplettes Einkommen zur Seite legen können. Miete, Wohnen, Lebensmittel, Versicherungen, Kinder, Mobilität und andere Ausgaben müssen ebenfalls bezahlt werden.
Noch deutlicher wird der Unterschied beim Bruttoeinkommen. Das Median-Bruttomonatseinkommen lag 2024 bei 3.713 Euro. Eine Million Euro entspricht damit rund 269 Brutto-Monatsgehältern.
Noch einmal deutlich weiter oben beginnt die Kategorie der sogenannten "Ultra-High Net Worth Individuals", kurz UHNWI. Als Schwelle werden häufig 30 Millionen Euro frei verfügbares Vermögen genannt.
Für normale Arbeitnehmer ist diese Summe kaum vorstellbar. 30 Millionen Euro entsprechen rund 11.066 Median-Netto-Monatsgehältern in Österreich. Selbst bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 2.711 Euro würde das rechnerisch mehr als 921 Jahreseinkommen bedeuten.
In dieser Vermögensklasse geht es für Banken daher längst nicht mehr nur um ein normales Wertpapierdepot. Die Betreuung wird komplexer, weil größere Vermögen auf unterschiedliche Anlageklassen verteilt, steuerliche Fragen berücksichtigt und teilweise individuelle Lösungen entwickelt werden müssen.
Interessant ist, dass für Banken nicht unbedingt der Multimillionär der attraktivste Kunde sein muss. Gerade Kunden mit einem Vermögen im mittleren sechsstelligen Bereich können für Geldinstitute wirtschaftlich besonders interessant sein.
Der Grund ist relativ einfach: Bei diesen Kunden ist bereits ausreichend Kapital vorhanden, das veranlagt werden kann. Gleichzeitig ist die Betreuung meist noch weniger aufwendig als bei extrem vermögenden Kunden.
Schon ab der ersten Vermögensklasse können sich deshalb Unterschiede bei der Betreuung ergeben. Dazu gehören etwa ein persönlicher Ansprechpartner oder eine stärker auf die finanzielle Situation zugeschnittene Beratung. Welche Leistungen tatsächlich angeboten werden, hängt allerdings vom jeweiligen Institut und vom konkreten Kunden ab.
Für österreichische Sparer ist die 100.000-Euro-Grenze deshalb besonders interessant. Sie klingt zunächst nach einem Betrag, der für sehr viele Menschen erreichbar sein könnte. Im Verhältnis zum Einkommen zeigt sich aber ein anderes Bild.
Das Median-Nettoeinkommen eines unselbständig Erwerbstätigen beträgt 2.711 Euro pro Monat. 100.000 Euro entsprechen damit fast dem 37-Fachen dieses Einkommens.
Auch beim Vermögen zeigt sich, wie hoch diese Grenze tatsächlich liegt. Laut OeNB verfügten österreichische Haushalte im HFCS 2021 über ein Median-Finanzvermögen von 18.700 Euro. Beim 90. Perzentil lag das Finanzvermögen bei 110.400 Euro.
Die 100.000-Euro-Marke liegt damit in dieser Erhebung bereits in der Nähe des oberen Bereichs der Verteilung des Finanzvermögens. Wichtig ist dabei allerdings, dass diese OeNB-Zahlen aus der Haushaltsvermögenserhebung stammen und daher nicht direkt mit der Bank-Kategorie "Affluent" gleichgesetzt werden können.
Ein wichtiger Unterschied wird bei solchen Vergleichen gerne übersehen: Die Banken-Kategorien beziehen sich auf liquides beziehungsweise investierbares Vermögen. Ein Eigenheim wird nicht einfach deshalb zu diesem Vermögen gezählt, weil es einen hohen Marktwert besitzt.
Auch Schulden spielen eine Rolle. Wer beispielsweise eine Eigentumswohnung im Wert von 500.000 Euro besitzt, gleichzeitig aber noch 400.000 Euro Kredit zurückzahlen muss, verfügt nicht über 500.000 Euro frei verfügbares Vermögen.
Deshalb sollte die Grenze von 100.000 Euro nicht mit der Aussage verwechselt werden, dass jeder Mensch mit diesem Kontostand automatisch reich ist.
Das gesamte Geldvermögen der österreichischen Haushalte ist wesentlich größer als die Summe, die einzelne Menschen typischerweise auf ihrem Girokonto liegen haben. Nach OeNB-Angaben belief sich das Geldvermögen der privaten Haushalte 2024 auf rund 896 Milliarden Euro.
Darin stecken unter anderem Bankeinlagen, Wertpapiere, Investmentzertifikate, Aktien und Versicherungsansprüche. Ein hoher Vermögensstand bedeutet daher nicht automatisch einen hohen Kontostand.