Ein Pensionist aus Villach steht plötzlich vor einem Schuldenberg: 10.500 Euro verlangt sein Mobilfunkanbieter. Der Grund: Unbekannte haben in Wien auf seinen Namen einen Handyvertrag abgeschlossen und damit tausende MMS verschickt. Der 72-Jährige wusste von all dem nichts – bis die Rechnung ins Haus flatterte und ihn völlig überrumpelte.
"Ich verstehe nicht, wie man in Wien einen Handyvertrag auf einen Villacher anmelden kann", sagt er zur "Kleinen Zeitung". Für ihn ist völlig unklar, wie es überhaupt möglich war, dass jemand mit seinen Daten einen Vertrag abschließen konnte.
Im Shop des Anbieters erfährt der Mann schließlich, wie die enorme Summe zustande gekommen ist. Ohne sein Wissen wurde ein zusätzlicher Vertrag zu seinen bestehenden angemeldet. Die dazugehörige SIM-Karte wurde intensiv genutzt – laut Rechnung sollen rund 17.000 MMS verschickt worden sein, was die Kosten in die Höhe schnellen ließ.
Der Villacher ist seit mehr als 30 Jahren Kunde, nutzt Festnetz und zwei Handyverträge und hatte bislang nie Probleme. Gerade deshalb trifft ihn der Vorfall besonders hart – ein derartiger Missbrauch seiner Daten war für ihn unvorstellbar.
Die Forderung bringt den Pensionisten an seine Grenzen. Tagelang kreisen seine Gedanken um die Frage, ob er für den Schaden aufkommen muss. Die Ungewissheit wird zur Belastung im Alltag, Schlaf ist kaum noch möglich. "So eine Betrugssache ist für ältere Menschen wirklich schlimm. Ich habe wochenlang schlecht geschlafen und nicht verstanden, wie sowas passieren kann", schildert er. Die Situation verunsichert ihn zutiefst.
Der 72-Jährige reagiert sofort und erstattet Anzeige bei der Polizei. In den folgenden Wochen steht er mehrfach mit den Behörden in Kontakt, der Fall wird aufgenommen und an die zuständige Betrugsabteilung weitergeleitet. Dennoch zieht sich die Klärung in die Länge.
Erst nach einiger Zeit kommt die erlösende Nachricht: Der betrügerische Vertrag wird storniert, die offene Forderung vollständig gestrichen. "Ich habe die letzten Wochen wirklich schlecht geschlafen, weil mich das belastet hat", sagt der Mann, für den damit eine enorme Last abfällt.
Zurück bleibt dennoch Ärger über den Ablauf. Der Pensionist fühlt sich von einer Stelle zur nächsten geschickt und muss seine Geschichte immer wieder neu erzählen, ohne rasch eine klare Lösung zu bekommen.
Herwig Höfferer, Abteilungsleiter für Konsumentenpolitik bei der Arbeiterkammer Kärnten, erklärt: "Genau hier kann die Arbeiterkammer helfen." Die AK habe direkte Kontakte zu Netzbetreibern und könne in solchen Fällen schnell eingreifen.
Voraussetzung für die Unterstützung sei allerdings eine Anzeige bei der Polizei sowie eine Vollmacht der Betroffenen. Dann könne die AK den Sachverhalt aufbereiten und direkt bei den zuständigen Stellen intervenieren.
Höfferer sieht aber auch die Anbieter selbst in der Verantwortung: "Wenn ein Kunde seit Jahren nur 30 Euro zahlt und dann plötzlich 10.000 Euro, sollte das System das erkennen." Solche Extremfälle seien zwar selten, könnten aber immer wieder vorkommen – mit massiven Folgen für die Betroffenen.