Fernsehen und Radio über Antenne könnten für Zehntausende Österreicher bald nicht mehr wie gewohnt funktionieren. Der ORF plant, Teile seines terrestrischen Sendernetzes stillzulegen. Laut einem von der FPÖ öffentlich gemachten Abschaltplan betrifft die Maßnahme knapp 64.000 Gebührenzahler – das berichtet die "Kronen Zeitung".
Die Haushaltsabgabe ändert sich dadurch nicht. Auch Haushalte in betroffenen Regionen müssen weiterhin den regulären ORF-Beitrag bezahlen.
Konkret geht es um MUX-A- und UKW-Anlagen für den terrestrischen Empfang von Fernsehen und Radio. Die Reduktion soll laut den vorliegenden Informationen in mehreren Schritten erfolgen.
Einen ersten Test gab es demnach bereits im Mai in Oberösterreich. Von dieser ersten Stufe sollen rund 2.500 Seher und Hörer betroffen gewesen sein, heißt es in dem Bericht der Tageszeitung.
Am 18. August soll es mit weiteren Standorten in Oberösterreich und Kärnten weitergehen. Dort sollen insgesamt 23.700 Gebührenzahler betroffen sein.
Im September stehen laut dem Plan Gemeinden in der Steiermark auf der Liste. Im Oktober soll Niederösterreich folgen. Für November sind weitere Abschaltungen in der Steiermark sowie in Tirol und Vorarlberg vorgesehen.
Insgesamt sollen damit knapp 64.000 Menschen betroffen sein, die Fernsehen oder Radio über eine Antenne empfangen. Fast ein Fünftel des entsprechenden Netzes soll stillgelegt werden. Wien ist von den angeführten Maßnahmen nicht betroffen, berichtet die "Krone".
Brisant ist die Angelegenheit auch mit Blick auf den gesetzlichen Versorgungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der ORF muss seine Programme auch terrestrisch verbreiten. Zudem müssen ORF und Tochtergesellschaften im Rahmen ihrer technischen Möglichkeiten gegen entsprechendes Entgelt auch Privatradios und Multiplex-Betreibern die Nutzung der Sendeanlagen ermöglichen.
Die geplante Reduktion sorgt auch wegen möglicher Auswirkungen im Katastrophenfall für Kritik. Bei Notfällen wird von Zivilschutzstellen empfohlen, Informationen über das Radio zu verfolgen, heißt es weiter.
Gerade für einen Blackout wird neben anderen Vorräten auch ein batteriebetriebenes und damit vom Stromnetz unabhängiges Radio empfohlen. Über UKW können damit auch ohne funktionierenden Stromanschluss Informationen empfangen werden.
Scharfe Kritik kommt von FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker. Er stellt die Einsparungen beim Sendernetz den Ausgaben innerhalb des ORF gegenüber.
"Am 11. August sitzt der Stiftungsrat zusammen, redet über mehr Geld und verteilt dreizehn Chefposten. Eine Woche später gehen in Kärnten und Oberösterreich die Sender aus. Gespart wird beim Sendemast im Tal, verteilt wird am Küniglberg", sagt Hafenecker zur "Krone".
Hafenecker fordert in diesem Zusammenhang erneut die Abschaffung der ORF-Haushaltsabgabe. Besonders kritisiert er, dass Wien laut dem Plan von den Abschaltungen nicht betroffen ist.
"Wer am Land lebt, zahlt exakt dieselben 15,30 Euro wie der Wiener Innenstadtbewohner – bekommt aber ab Herbst kein Signal mehr. Gleiche Zwangsgebühr, halbe Leistung. Der ländliche Raum ist für dieses System offenbar nur noch Zahler, nicht mehr Publikum", so seine Kritik.
Begründet wird die Reduktion des terrestrischen Netzes damit, dass nur noch ein vergleichsweise kleiner Teil der Bevölkerung diese Empfangsart verwendet. Laut den vorliegenden Angaben nutzen fünf Prozent der Österreicher die Technik, unter Einbeziehung von Zweitgeräten sollen es acht Prozent sein, berichtet die "Krone".
Als Alternativen stehen unter anderem Satellitenempfang und Streaming zur Verfügung. Die FPÖ hält dagegen, dass dafür zusätzliche Voraussetzungen notwendig seien. Satellitenempfang benötigt entsprechende Technik, Streaming wiederum einen Internetanschluss: "Der ORF spart, die Bürger zahlen zweimal."
Für zusätzliche Kritik sorgt ein Detail in der von der FPÖ veröffentlichten Liste. Neben den betroffenen Gemeinden soll laut "Kronen Zeitung" darin auch die Parteizugehörigkeit der jeweiligen Bürgermeister vermerkt sein.
Unter den angeführten Gemeinden befinden sich demnach besonders viele mit ÖVP-Bürgermeistern, daneben auch Orte mit Bürgerlisten. Gemeinden mit FPÖ- oder SPÖ-Bürgermeistern sollen seltener vorkommen.
Während in mehreren Bundesländern Standorte aus dem terrestrischen Netz genommen werden sollen, bleibt die ORF-Haushaltsabgabe für die betroffenen Haushalte unverändert.
In einem Statement gegenüber "Heute" stellt der ORF klar:
Die Netzabdeckung des ORF-Sendernetzes beträgt 99 Prozent des österreichischen Bundesgebietes und daran wird sich durch die geplanten Optimierungsmaßnahmen nichts ändern. Durch die Optimierung des Sendernetzes können rd. 1,5 Mio. Euro pro Jahr nachhaltig eingespart werden.
Faktum ist, dass der ORF im Zuge der ihm aufgetragenen Einsparungsmaßnahmen unter anderem auch sein terrestrisches Sendernetz in ganz Österreich optimiert, um dieses noch wirtschaftlicher führen zu können. Bis Jahresende werden Kleinstsendeanlagen in Randlagen außer Betrieb genommen, die zum größten Teil durch andere Sendeanlagen abgedeckt werden. Die "Kronen Zeitung" verwechselt in ihrer Story die Zahl der in den betroffenen Gemeinden lebenden Personen, mit der Anzahl der tatsächlich betroffenen Haushalte.
94% der Österreicherinnen und Österreicher empfangen den ORF via Satellit, Kabel oder Streaming, lediglich 6% über Antenne. Die allermeisten TV-Haushalte nutzen mehr als einen Empfangsweg. Von den in der "Kronen Zeitung" genannten theoretischen 64.000 Personen werden also, wenn überhaupt, wenige Hundert Haushalte Änderungen in der TV-Versorgung bemerken. In den meisten Fällen wird im Falle einer Doppelversorgung durch den Wechsel auf eine andere Frequenz oder die Nutzung eines anderen Empfangsweges Abhilfe zu schaffen sein. Satellit und Streaming sind weiterhin überall verfügbar. In einzelnen eng begrenzten Gebieten kann es im Zuge dieser Umstellungen zu Einschränkungen beim Empfang über Antenne oder UKW kommen.
Besonderen Wert legt der ORF auf persönliche Unterstützung: Betroffene Nutzerinnen und Nutzer können sich an das ORF‑Kundenservice wenden, um gemeinsam eine individuelle Lösung für ihre jeweilige Empfangssituation zu finden!