Ab dem Schuljahr 2027/28 stehen an den AHS-Oberstufen neue Inhalte auf dem Stundenplan. Während das Bildungsministerium bereits an Schulbüchern und Lehrerfortbildungen für "Medien und Demokratie" sowie "Informatik und KI" arbeitet, warnt die Lehrergewerkschaft vor einer überhasteten Umsetzung.
Die neuen Lehrpläne sehen zwei Stunden "Medien und Demokratie" vor. Informatik wird um eine Stunde erweitert und soll künftig verstärkt Künstliche Intelligenz behandeln. Politisch beschlossen wurde die Änderung erst Anfang Juli.
Bis zum Start bleiben damit nur etwas mehr als zwölf Monate. Das Bildungsministerium versichert dennoch, dass für den ersten Jahrgang qualitätsgesicherte Materialien und entsprechend vorbereitete Lehrkräfte zur Verfügung stehen sollen.
Eine Herausforderung sind die neuen Schulbücher. Verlage erhalten deshalb eine verlängerte Frist und können noch bis Herbst entsprechende Werke zur Approbation einreichen.
Nur vom Bildungsministerium genehmigte Bildungsmedien können in der Regel später über die Schulbuchaktion kostenlos von den Schulen bezogen werden. Normalerweise nimmt das Verfahren ein bis zwei Jahre in Anspruch.
Besonders knapp ist der Zeitplan diesmal auch deshalb, weil die entsprechende Lehrplanverordnung noch gar nicht veröffentlicht ist. Sie befindet sich noch bis Dienstag in Begutachtung.
Mehrere Anbieter arbeiten nach Angaben der Allianz Bildungsmedien Österreich (ABÖ) trotzdem bereits an passenden Materialien. Damit diese rechtzeitig zum Schuljahr 2027/28 verfügbar sind, brauche es allerdings "pragmatische Sonderregelungen im Bereich der Qualitätssicherung und der Approbation".
Für "Medien und Demokratie" will das Ministerium neben Schulbüchern zusätzliche Unterrichtsmaterialien entwickeln lassen.
Bei "Informatik und KI" gebe es hingegen bereits "ein breites Angebot unterschiedlicher Unterrichtsmaterialien". Über die "Plattform Lernapps" des Ministeriums sollen Schulen außerdem auf qualitätsgesicherte digitale Anwendungen zugreifen können. Schüler sollen damit Inhalte interaktiv üben und vertiefen können.
Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für die Lehrkräfte. An fünf der insgesamt 14 Pädagogischen Hochschulen soll ab Herbst ein berufsbegleitender Hochschullehrgang für "Medien und Demokratie" starten. Der Lehrgang umfasst 30 ECTS, was dem Arbeitspensum eines Semesters im Vollzeitstudium entspricht. Die Inhalte sollen flexibel an die Bedürfnisse der Teilnehmer angepasst werden.
Für "Informatik und KI" ist kein eigener Hochschullehrgang vorgesehen. Die neuen KI-Inhalte sollen nach den Plänen des Ministeriums von Lehrkräften mit Informatik-Lehramt vermittelt werden. Für sie sind entsprechende Fortbildungen geplant.
In der AHS-Lehrergewerkschaft sorgt der Zeitplan allerdings für Skepsis. Vorsitzender Georg Stockinger (FCG) kritisiert, dass die Schulen bereits im Herbst entscheiden müssen, wie sie die neuen Inhalte unterrichten wollen.
Dabei können sie diese entweder als eigenes Fach anbieten oder in einen bestehenden Gegenstand integrieren. Die Schulungen zu den neuen Lehrplänen finden jedoch erst danach statt. Stockinger kritisiert zudem, dass die Pädagogischen Hochschulen derzeit noch nicht genau wüssten, welche Inhalte sie den Lehrern in den Fortbildungen vermitteln sollen.
Der Gewerkschafter befürchtet ähnliche Schwierigkeiten wie bei der 2022 eingeführten "Digitalen Grundbildung". Dort gebe es seiner Darstellung zufolge weiterhin zu wenige entsprechend ausgebildete Lehrer. Teilweise würden Kollegen eingesetzt, denen noch Unterrichtsstunden fehlen.
Für eine professionelle Vorbereitung sieht Stockinger deshalb deutlich mehr Zeit als notwendig an: "Es fehlt uns mindestens ein Jahr für eine seriöse Umsetzung, wenn nicht zwei."
Die neuen Unterrichtsinhalte waren von Beginn an umstritten. Die Kritik richtete sich dabei weniger gegen das Ziel von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS), Schüler stärker für den kritischen Umgang mit Medien und Künstlicher Intelligenz zu sensibilisieren.
Für Widerstand sorgte vielmehr die ursprünglich geplante Gegenfinanzierung über Unterrichtsstunden. Bei Latein beziehungsweise der Zweiten lebenden Fremdsprache sollten zwei Stunden wegfallen, bei den Wahlpflichtfächern eine weitere. Nach Protesten von Lehrergewerkschaft, Politik sowie Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft wurde der Plan angepasst.
AHS mit schulautonomer Stundentafel – laut Angaben rund 90 Prozent der Standorte – können die notwendigen Stunden nun auch in anderen Fächern einsparen. Außerdem dürfen "Medien und Demokratie" sowie "Informatik und KI" in andere Unterrichtsgegenstände integriert werden. Die Gesamtzahl der Unterrichtsstunden muss dabei unverändert bleiben.