"Das ist ja ein Wahnsinn"

Affäre rund um Justizwache-Beamten: Jetzt ist Urteil da

Bis zu drei Jahre Haft drohten einem Justizwache-Beamten am Montag in Steyr. Ihm wurde u.a. Sex mit einer Insassin vorgeworfen. Er leugnete alles.
Lea Strauch
29.09.2025, 18:55
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Küsse und Drohungen, außerdem Geschlechtsverkehr mit einer Insassin: Was dem 39-Jährigen in Steyr angelastet wurde, ist nichts für schwache Nerven. Seit kurz nach Mittag musste sich der Angeklagte vor der Richterin verantworten. Ihm drohten bei einer Verurteilung bis zu drei Jahre Haft.

Der Sex sei zwar einvernehmlich gewesen, aber unter Ausnutzung seines Amtes passiert, erklärte die Staatsanwältin am Montag. Zudem wurde ihm Nötigung vorgeworfen, weil er einer Inhaftierten beim Duschen zugeschaut, sie dann geküsst und ihr anschließend gedroht haben soll.

"Die wollen mich einfach weg haben"

Der Angeklagte, seit 2020 ausgebildeter Justizwache-Beamter, leugnete am Montag jegliche Vorwürfe. Vorweg hatte sein Anwalt bereits angedeutet, in der Einrichtung sei es "offenbar ein tägliches Geschehen", dass Beamte derart beschuldigt werden. Zudem gebe es Widersprüche in den Aussagen der Untergebrachten.

"Ich habe mit der keinen Sex gehabt – weder zwei Sekunden, noch drei oder länger", sagte der 39-Jährige ganz bestimmt. Immer wieder betonte er: Dazu hätte er nicht einmal die Möglichkeit gehabt – so gut wie alle Bereiche des forensisch-therapeutischen Zentrums seien videoüberwacht.

Zig Vorwürfe der Insassinnen verlas die Richterin in der folgenden Stunde. Immer mit der Frage: "Stimmt das?" Die Antwort des Angeklagten: "Na." Mit jeder Anschuldigung wurde der 39-Jährige sichtlich gereizter: "Wie viele kommen denn da jetzt noch? Das ist ja ein Wahnsinn", sagte er irgendwann fassungslos. Der Beschuldigte ist sich sicher: "Die wollen mich einfach weg haben."

Öffentlichkeit ausgeschlossen

Nach rund einer Stunde war die Befragung fürs erste beendet. "Mir ist ein bisserl schlecht", meinte der 39-Jährige sichtlich aufgebracht und bat um eine kurze Pause, die er auch bekam. Jene Insassin, mit der der Angeklagte Sex gehabt haben soll, sagte als nächste aus. Weil es sich um den höchstpersönlichen Lebensbereich handelt, wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Zeugin rang mit den Tränen

"Ich habe mir nicht viel dabei gedacht", so eine weitere Zeugin über mutmaßliche Übergriffe. Durch die Gitterstäbe sei es zu zwei Küssen gekommen. Daraufhin habe der 39-Jährige ihr gedroht, niemandem davon zu erzählen. Ansonsten käme sie "nie wieder aus dem Gefängnis heraus". Während sie über weitere angebliche Vorfälle sprach, rang die junge Insassin sichtlich mit den Tränen. Sie sei deswegen laut eigener Aussage "durchgehend depressiv" gewesen.

Um einiges später als erst geplant kam dann das noch nicht rechtskräftige Urteil: ein Teilspruch – fünf Monate bedingte Haft. Geblieben ist am Ende nämlich nur die Nötigung, die der Richterin nach den Zeugenaussagen glaubhaft erschien. Beide Seiten kündigten Berufung an.

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