Im Nürnberger Tiergarten ist eine hitzige Debatte über Artenschutz entbrannt. Zwölf gesunde Guinea-Paviane wurden aus Platzmangel getötet – das Zuchtprogramm war zu erfolgreich. Das Gehege war für maximal 25 Tiere zugelassen, 43 lebten dort zuletzt. Stress, Aggression und Verletzungen innerhalb der Gruppe waren die Folgen.
Zoodirektor Dag Encke erhält nun offenbar konkrete Morddrohungen. Zehn davon wurden zur Anzeige gebracht. Über soziale Netzwerke gab es dutzendfach weitere Drohungen. Auch per Brief und E-Mail wurden Drohungen eingeschickt – auch gegen Mitarbeiter des Tiergartens.
Wie der "Spiegel" unter Berufung auf eine Arte-Reportage berichtet, verteidigt der Zoo seine Entscheidung: Bemühungen, die Tiere anderswo unterzubringen, waren gescheitert. Verhütungsmaßnahmen hatten nicht funktioniert. "Artenschutz vor Tierschutz" sei der Leitsatz vieler Zoos.
Die getöteten Paviane wurden anschließend an Raubtiere des Zoos verfüttert. Dass den Tieren davor Köpfe sowie Hände und Füße abgetrennt wurden, sorgte für Kritik. Die Schädel sollen für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden, vier Skelette werden für ein Museum präpariert.
Die Polizei prüft derzeit rund 170 Zuschriften auf strafrechtliche Inhalte. Bei der Staatsanwaltschaft gingen mittlerweile etwa 350 Anzeigen wegen der Pavian-Tötung ein. Ob die Verantwortlichen strafrechtliche Konsequenzen erwarten, ist noch unklar.
Auch der Zoo im dänischen Aalborg sorgt derzeit für Schlagzeilen. Dieser hatte die Bevölkerung aufgerufen, Haustiere als Futter für Raubtiere abzugeben. "Wir präsentieren keine Disney-Welt, sondern die reale Welt", so das Credo moderner Zoos. Der Kopenhagener Zoodirektor Mads Bertelsen hatte 2014 öffentlich einen Giraffenbullen seziert und verfüttert – heute leitet er den Zoo. Transparenz sei für ihn der Schlüssel zur Akzeptanz.