Albaniens Ministerpräsident Edi Rama gerät zunehmend unter Druck. Seit Tagen demonstrieren Tausende Menschen gegen seine Regierung, vielerorts kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen. Doch statt den geforderten Rücktritt anzukündigen, warnt Rama vor den Folgen der Proteste für den geplanten EU-Beitritt.
"Die Albaner müssen sich ganz klar überlegen: Wollen sie das oder wollen sie die EU?", erklärte der Regierungschef in einer auf Facebook übertragenen Ansprache. Nicht seine Regierung stehe vor einer Bewährungsprobe, sondern die europäische Zukunft des Landes.
Hinter den Demonstrationen stehen vor allem Studenten, die gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und schlechte Bildungsbedingungen aufbegehren. Mittlerweile haben sich die Proteste auf mehrere Städte ausgeweitet. Dabei gingen Regierungsgebäude in Flammen auf, Polizisten wurden mit Pflastersteinen attackiert. Die Einsatzkräfte antworteten mit Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschossen.
Auch ein geplanter Besuch in Österreich fiel den Unruhen zum Opfer. Rama hätte am Samstag Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) in Wien treffen sollen. Laut Bundeskanzleramt wurde der seit Monaten vorbereitete Termin von albanischer Seite kurzfristig abgesagt.