Nach dem fünften Tag gewaltsamer Proteste in Albanien, bei denen Studenten eine "Revolution" und den Rücktritt der Regierung forderten, meldet sich Premierminister Edi Rama (61) mit einer ungewöhnlichen Videobotschaft zu Wort. Darin hält er einen großen Pflasterstein an seinen Kopf und warnt vor der Gewalt auf den Straßen.
"Das ist einer von Tausenden Steinen, die herausgerissen wurden, um sie auf die Polizei zu werfen", erklärt Rama. Dann folgt die Warnung: "Das ist praktisch eine Waffe, die tödlich sein kann."
Der Regierungschef erhebt schwere Vorwürfe gegen gewaltbereite Demonstranten. Wer mit Steinen, Eisenstangen und Schrauben auf Polizisten werfe, sei ein Krimineller, so Rama.
Seinen Angaben zufolge hätten sich rund 200 bis 300 Vermummte unter die Demonstranten gemischt. Diese hätten mit den Studentenprotesten nichts zu tun, sondern seien gezielt angestiftet und bezahlt worden. Belege für diese Behauptung legte er nicht vor.
Gleichzeitig ruft Rama die Sicherheitskräfte zur Zurückhaltung auf. Auch bei gewalttätigen Demonstranten handle es sich um junge Albaner, deren Leben über allem stehe. "Selbstbeherrschung ist der Kern dieser Geschichte", betont der Premier.
Rama macht auch ausländische Kräfte und extremistische Gruppierungen für die Eskalation mitverantwortlich. Dabei nennt er Russland, den Iran, die Antifa-Bewegung sowie religiöse Extremisten und albanische politische Akteure.
Diese bildeten aus seiner Sicht ein "Konglomerat, das Gewalt fördert und relativiert". Der Premier vermutet dahinter den Versuch, Albanien gezielt zu destabilisieren und den geplanten EU-Beitritt bis 2030 zu gefährden. Beweise für ein koordiniertes Vorgehen legte er nicht vor.
Gleichzeitig dementiert der Premier Gerüchte über ausländische Einsatzkräfte. Behauptungen, wonach täglich 1.000 Israelis nach Albanien kämen, um ihn zu unterstützen und Demonstranten anzugreifen, bezeichnet Rama als Falschmeldungen. "Israel ist ein befreundetes Land, genauso wie Katar", stellt er klar. Auch Spekulationen über serbische Soldaten in albanischen Polizeiuniformen weist er als Unsinn zurück.
Auf die Rücktrittsforderungen der Studenten reagiert Rama mit einer direkten Aufforderung. "Du willst, dass ich gehe, das ist das Normalste der Welt. Aber wie soll ich gehen? Komm wenigstens und überzeuge mich, warum ich gehen sollte oder warum ich nicht gehen sollte", erklärt der Regierungschef.
Die Demonstranten hätten bisher keine konkreten Argumente vorgebracht, die seinen Rücktritt rechtfertigen würden, behauptet er. Sie hätten überhaupt keine Forderungen.
Nach fünf Tagen schwerer Ausschreitungen bleibt Rama damit bei seiner Linie: Er will nicht zurücktreten. Stattdessen wirft er gewaltbereiten Demonstranten vor, von politischen und ausländischen Kräften instrumentalisiert zu werden.