"Wir meinen: Es reicht!" Mit diesen deutlichen Worten verkündet Alice Schwarzer das Ende einer Ära. Am 8. Dezember erscheint die letzte Ausgabe ihres feministischen Magazins "Emma". Nach einem halben Jahrhundert voller Debatten, Provokationen und gesellschaftlicher Kämpfe ist endgültig Schluss.
Dabei steckt hinter dem überraschenden Aus offenbar keine finanzielle Notlage. Zwar würden die Verkaufszahlen sinken, doch die Einnahmen deckten weiterhin die Kosten, versichert Schwarzer gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.
Vielmehr klingt es nach einer Mischung aus Erschöpfung und einem bewussten Abschied: "Also gestattet: Jetzt sind wir ermattet", erklärt die Frauenrechtlerin.
Am 26. Jänner 1977 brachte Schwarzer die erste "Emma" auf den Markt. Ihr Ziel: den damals von Männern dominierten Medien eine starke weibliche Stimme entgegensetzen.
Und tatsächlich sorgte das Magazin jahrzehntelang für Aufsehen. Ob Gewalt gegen Frauen, sexueller Missbrauch, Brustkrebs oder gesellschaftliche Benachteiligung – "Emma" griff immer wieder Themen auf, über die andere lieber schwiegen.
Doch mit der Zeit wurde auch der Gegenwind heftiger.
Besonders Schwarzers Haltung zum Ukraine-Krieg sorgte zuletzt für heftige Kritik. Gemeinsam mit Sahra Wagenknecht setzte sie sich für rasche Friedensverhandlungen mit Russland ein. Für manche ein mutiger Friedensappell, für andere eine gefährliche Verharmlosung des russischen Angriffskriegs.
Die Folgen bekam "Emma" deutlich zu spüren: Laut Schwarzer kündigte jede fünfte Leserin aus Protest ihr Abonnement.
Auch ihre kritischen Positionen zu Trans-Themen lösten Proteste aus. Schwarzer selbst weist den Vorwurf der Transfeindlichkeit zurück und pocht darauf, auch unbequeme Meinungen öffentlich vertreten zu dürfen.
Dass "Emma" einmal ohne ihre Gründerin weitermachen könnte, war immer wieder Thema. Doch die Suche nach einer Nachfolgerin verlief schwierig.
2008 übernahm Journalistin Lisa Ortgies kurzzeitig die Chefredaktion. Nach einem Zerwürfnis holte Schwarzer das Ruder jedoch wieder selbst in die Hand.
Auch später fand sich keine dauerhafte Nachfolgerin. Geeignete Journalistinnen hätten sich lieber für andere Medien entschieden, erzählt Schwarzer. Dort wehe schließlich der Wind nicht ganz so rau.
Ganz verschwinden wird das Kultmagazin allerdings nicht. Das umfangreiche "Emma"-Archiv mit Briefen, Kampagnen und Dokumenten wandert ins Deutsche Literaturarchiv Marbach und soll dort für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben.
Für Schwarzer steht fest: Ihr Magazin hat Deutschland verändert. Und auch wenn am Kiosk bald endgültig Schluss ist, soll "Emma" zumindest auf diese Weise weiterleben.
Nach fast 50 Jahren Kampfgeist, Kontroversen und klaren Ansagen ist damit eine der bekanntesten Stimmen des deutschen Feminismus bald Geschichte.