Spiele-Test

Alienhorden machen in "Vortica" keine Gefangenen

Hinter der schlichten Pixeloptik von "Vortica" steckt ein überraschend umfangreicher Sci-Fi-Shooter mit Roguelite-Ideen und vielen Herausforderungen.
Rene Findenig
09.06.2026, 15:53
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

"Vortica" gehört zu jenen Spielen, die auf den ersten Blick leicht zu übersehen sind. Keine aufwendigen Zwischensequenzen, keine fotorealistische Grafik und kein großes Marketingbudget. Stattdessen setzt das Ende Mai veröffentlichte Spiel des Entwicklerstudios Vortical Studios auf eine klassische Draufsicht, Pixelgrafik und ein Spielprinzip, das sich ganz auf Kämpfe, Beute und stetigen Fortschritt konzentriert. Verlegt wird der Titel von Caketown Interactive. Das Spiel ist derzeit für PC auf Steam um 15 Euro erhältlich. Ausprobieren lässt es sich ebenfalls auf Steam mit einer kostenlosen Demo-Version.

Die Ausgangslage ist schnell erklärt. Die Menschheit hat ihre Heimat verloren. Feindliche Invasoren haben die Erde übernommen, die verbliebenen Menschen leben verstreut auf heruntergekommenen Raumstationen und Außenposten im Sonnensystem. Du schlüpfst in die Rolle einer der letzten Hoffnungen der Menschheit. Von einer Basis aus startest du immer wieder Einsätze, sammelst Ressourcen, suchst nach Überlebenden, bekämpfst außerirdische Gegner und versuchst Schritt für Schritt, den Weg zurück zur Erde zu ermöglichen. Schon nach den ersten Minuten wird klar, dass "Vortica" keine neue und außergewöhnliche Story erzählt.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Überlebende retten, Ziele erreichen, Gegner ausschalten

Die Handlung dient vor allem als Rahmen für das eigentliche Spielgeschehen. Der Fokus liegt auf Missionen, Kämpfen und dem ständigen Sammeln von Ausrüstung. Wer eine aufwendig erzählte Science-Fiction-Geschichte erwartet, wird hier nicht fündig. Wer hingegen gerne Systeme entdeckt und seinen Charakter langsam verbessert, findet deutlich mehr Anreize. Der grundsätzliche Ablauf wiederholt sich. Von deiner Basis aus brichst du zu Einsätzen auf. Die führen dich auf Planetenoberflächen, Raumstationen oder andere abgelegene Orte im Sonnensystem. Dort warten unterschiedliche Aufgaben.

Mal musst du Überlebende retten, mal bestimmte Ziele erreichen, mal große Gegner ausschalten. Währenddessen greifen ständig Alienhorden an. Genau hier zeigt sich eine der größten Stärken des Spiels. Die Kämpfe sind leicht verständlich, entwickeln aber erstaunlich schnell eine gewisse Tiefe. Gegner kommen nicht einfach nur in großen Mengen auf dich zugelaufen. Unterschiedliche Feindtypen verlangen unterschiedliche Reaktionen. Einige stürmen direkt auf dich zu, andere greifen aus der Distanz an, wieder andere setzen dich durch ihre Bewegungsmuster unter Druck.

"Vortica" schafft einen interessanten Spagat

Die Steuerung orientiert sich am klassischen Twin-Stick-Prinzip. Mit einer Eingabe bewegst du deine Figur, mit der anderen zielst du unabhängig davon auf Gegner. Das klingt zunächst simpel, verlangt aber Konzentration. Besonders in späteren Abschnitten füllt sich der Bildschirm mit Projektilen, Gegnern und Effekten. Dann entscheidet oft ein kurzer Ausweichschritt darüber, ob ein Einsatz erfolgreich endet oder nicht. Dabei schafft "Vortica" einen interessanten Spagat. Einerseits wirkt das Spiel nie unnötig kompliziert. Andererseits fordert es Aufmerksamkeit. Wer unüberlegt in größere Gegnergruppen läuft, wird bestraft.

Das Spiel lebt von Bewegung. Stillstand ist meist keine gute Idee. Besonders gelungen wirkt die Vielfalt bei der Ausrüstung. Im Verlauf der Missionen sammelst du Waffen, Ressourcen und andere Gegenstände. Das Arsenal reicht von einfachen automatischen Gewehren bis hin zu deutlich stärkeren futuristischen Waffen. Zusätzlich kannst du automatische Geschütztürme einsetzen, die dich im Kampf unterstützen. Dadurch entsteht ein angenehmes Gefühl von Fortschritt. Jede erfolgreiche Mission kann neue Möglichkeiten eröffnen. Interessant ist dabei, dass "Vortica" nicht nur auf Schießen setzt.

Auch beim Umfang überrascht "Vortica" positiv

Die gesammelten Ressourcen haben einen Nutzen. Sie fließen in Herstellungssysteme ein. In deiner Basis können daraus neue Ausrüstung, Verteidigungsanlagen oder andere Hilfsmittel entstehen. Dadurch bekommen selbst kleinere Funde während einer Mission Bedeutung. Ein erfolgreicher Einsatz endet nicht nur mit dem Gefühl, Gegner besiegt zu haben, sondern auch mit dem Aufbau langfristiger Fortschritte. Gerade dieser Teil sorgt dafür, dass sich "Vortica" von einigen Genrevertretern abhebt. Zahlreiche Roguelites konzentrieren sich fast ausschließlich auf einzelne Durchläufe. Hier gibt es zusätzlich eine Art Heimatbasis, die sich weiterentwickelt.

Eine Besonderheit stellt auch das Farming-System dar, das während der Entwicklungszeit ergänzt wurde. Dadurch können Ressourcen nicht ausschließlich über Kampfeinsätze gewonnen werden. Es schafft eine zusätzliche Möglichkeit, Material für neue Gegenstände zu erhalten, ohne in harte Kämpfe zu gehen. Gleichzeitig wirkt die Basis dadurch lebendiger als eine reine Menüoberfläche. Auch beim Umfang überrascht "Vortica" positiv, umfasst mehrere Dutzend Gegnertypen. Dazu kommen zahlreiche Waffen, Gegenstände und Missionen. Diese Vielfalt ist wichtig, denn das Grundprinzip wiederholt sich naturgemäß häufig.

Die Kombination aus Twin-Stick-Kämpfen, Ressourcenmanagement, Crafting und Basisaufbau sorgt für langfristige Motivation.
Vortical Studios

Nach kurzer Einführung geht es direkt los

Besonders auffällig ist dabei das Tempo. "Vortica" gehört nicht zu jenen Shootern, die lange Erklärungen liefern oder den Spieler minutenlang an die Hand nehmen. Nach kurzer Einführung geht es direkt los. Das sorgt für einen schnellen Einstieg, kann anfangs aber auch überfordern. Manche Spielmechaniken erschließen sich erst nach mehreren Einsätzen. Die Entwickler kombinieren dabei Elemente klassischer Arcade-Shooter mit modernen Roguelite-Ideen. Nach Niederlagen geht nicht alles verloren. Viele Fortschritte bleiben erhalten und helfen dabei, spätere Missionen erfolgreicher zu absolvieren.

Während manche Roguelites stark vom Zufall abhängen, wirkt "Vortica" kontrollierter. Natürlich spielen gefundene Gegenstände und Ausrüstung eine Rolle. Gleichzeitig hat das eigene Verhalten großen Einfluss auf den Erfolg. Wer Bewegungsmuster von Gegnern versteht, seine Ausrüstung sinnvoll auswählt und Ressourcen gezielt einsetzt, verbessert seine Chancen deutlich und stärker, als einfach immer weiter aufzurüsten. Technisch präsentiert sich das Spiel indes schlicht. Die Pixeloptik dürfte nicht jeden begeistern, erfüllt ihren Zweck aber erstaunlich gut. Statt auf spektakuläre Effekte setzt "Vortica" auf Übersichtlichkeit.

Das Spiel nutzt sein Story-Potenzial leider nicht

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Präsentation komplett frei von Schwächen wäre. Einige Areale wirken optisch recht ähnlich. Wer viele Stunden spielt, wird feststellen, dass bestimmte Umgebungen nicht dieselbe Abwechslung bieten wie die Gegner oder das Ausrüstungssystem. Hier zeigen sich die Grenzen eines kleineren Indie-Projekts. Ähnliches gilt für die Inszenierung. Große Storymomente oder emotionale Zwischensequenzen sucht man vergeblich. Die Welt von "Vortica" besitzt zwar einen interessanten Hintergrund rund um die verlorene Erde und die letzten Überlebenden der Menschheit, doch das Spiel nutzt dieses Potenzial nicht.

Die Handlung bleibt meist im Hintergrund und dient primär als Motivation für die nächsten Einsätze. Dennoch entwickelt die Spielwelt ihren eigenen Reiz. Die Vorstellung einer Menschheit, die sich über das Sonnensystem verstreut hat und nun um ihre Rückkehr kämpft, sorgt für einen nachvollziehbaren Rahmen. Es braucht keine ständigen Zwischensequenzen, um zu verstehen, warum du immer wieder zu neuen Missionen aufbrichst. Interessant ist außerdem die Balance zwischen Risiko und Belohnung. Viele Missionen stellen dich vor die Entscheidung, ob du noch länger nach Ressourcen suchst oder lieber den Rückzug antrittst.

Alienhorden machen in "Vortica" keine Gefangenen

Im Endeffekt ist "Vortica" ein Spiel, das seine Qualitäten nicht sofort offenlegt. Die ersten Minuten zeigen einen soliden Pixel-Shooter. Erst mit zunehmender Spielzeit wird sichtbar, wie viele Systeme unter der Oberfläche arbeiten. Die Mischung aus Kämpfen, Beutesuche, Herstellung, Basisentwicklung und Ressourcenmanagement verleiht dem Spiel mehr Tiefe, als die schlichte Optik zunächst vermuten lässt. Nicht jede Idee wird vollständig ausgeschöpft. Die Geschichte bleibt zurückhaltend, einige Umgebungen könnten abwechslungsreicher sein und die Präsentation setzt klare Prioritäten auf Funktion statt Spektakel.

Dennoch gelingt "Vortica" etwas, das vielen größeren Produktionen schwerfällt: Es entwickelt einen eigenen Rhythmus. Du startest eine Mission, sammelst Ressourcen, verbesserst deine Ausrüstung, baust deine Basis aus und wagst den nächsten Einsatz. Aus dieser einfachen Schleife entsteht ein überraschend fesselnder Spielfluss. Für Fans von Twin-Stick-Shootern und Roguelites ist "Vortica" deshalb ein bemerkenswerter Indie-Titel, der einen überraschend starken Eindruck hinterlässt. Nicht wegen großer Effekte oder spektakulärer Inszenierung, sondern weil die Spielsysteme sinnvoll zusammenarbeiten und über lange Zeit motivieren.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } 09.06.2026, 15:53
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen