"Invincible VS" versucht gar nicht erst, anders aufzutreten, als man es von der Comic-Reihe von Robert Kirkman und der darauf basierenden Zeichentrick-Serie (läuft auf Amazon Prime Video) gewohnt ist, nämlich ultrabrutal. Das Spiel für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S greift die bekannte Vorlage der gleichnamigen Superheldenserie auf und macht daraus ein klassisches Kampfspiel, in dem es schnell zur Sache geht. Wer die Serie kennt, weiß ungefähr, was einen erwartet: Gewalt, viel Druck und Figuren, die selten zimperlich miteinander umgehen. Im Test zeigt sich rasch, dass hier nicht der feine Ton gesucht wird. Stattdessen steht der direkte Schlagabtausch im Mittelpunkt, wobei das Kampfspiel überraschend komplex auftritt.
Das Spiel setzt auf zum Start 18 bekannte Figuren aus dem "Invincible"-Universum. Sie reichen von Titelfigur Mark "Invincible" Grayson, seinen Vater Omni-Man und seine Liebe Atom-Eve, über Fan-Lieblinge wie Allen the Alien, Battle Beast und Conquest bis hin zu Charakteren wie Cecil Stedman, Titan oder Dupli-Kate. Klar, in den Comics und der Serie sind die Figuren nicht gleich stark, doch das ist dem Spiel egal – vielmehr lässt das Game dich ein Team aus drei Kämpferinnen oder Kämpfern zusammenstellen, das gegen ein anderes Trio antritt. Geprügelt wird dabei in "Tag"-Manier – jedes Teammitglied kann für das andere im Kampf einspringen. In den Kampf geht's sofort, die Grundmechanik wird allmählich im laufenden Spiel vermittelt.
Der Grundaufbau ist dabei klassisch für ein Kampfspiel gehalten. Du bewegst dich zwischen Menüs, wählst Figuren aus und steigst dann in direkte Duelle ein. Zusätzlich gibt es einen strukturierten Einzelspielerbereich, in dem du dich durch verschiedene Begegnungen kämpfst, sowie klassische Mehrspieler-Duelle, lokal und online. Mehr braucht das Spiel im Kern auch nicht, weil es sich klar auf die Kämpfe selbst konzentriert. Schon nach kurzer Zeit wird deutlich, dass der Fokus stark auf schnellen, direkten Auseinandersetzungen liegt. Jede Figur bringt eigene Schwerpunkte mit, die sich vor allem in Reichweite, Tempo und Schlagkraft zeigen. Dabei geht es weniger um komplizierte Systeme, sondern um Unterschiede im Spielgefühl.
Mark Grayson spielt sich deutlich agiler, mit schnellen Angriffen und viel Bewegungsspielraum. Omni-Man dagegen wirkt schwerer, aber dafür deutlich druckvoller, mit Angriffen, die mehr Fläche abdecken und stärker durchschlagen. Atom Eve wiederum setzt stärker auf kontrollierte Aktionen und etwas distanzierteres Vorgehen. Diese Unterschiede sind spürbar, auch wenn das Grundprinzip bei allen gleich bleibt: Treffer setzen, Druck aufbauen, Gegner aus dem Rhythmus bringen. Das Kampfsystem von "Invincible VS" ist generell auf Schnelligkeit ausgelegt: Angriff starten, Kombinationen aneinanderreihen, den Gegner in die Defensive drängen. Die Steuerung ist dabei so aufgebaut, dass sie schnell in Fleisch und Blut übergeht, aber auch sehr fordert.
Es gibt einfache Grundaktionen, die sich miteinander verbinden lassen, wodurch du relativ rasch eigene Kombinationen entwickelst. Diese sind typisch Kampfspiel: Abstand zum Gegner einschätzen und schnell überwinden, Angriffe erkennen und möglichst kontern, eigene erfolgreiche Angriffe so lange es geht fortsetzen. Im Kampf entsteht dadurch ein sehr klarer Rhythmus. Treffer fühlen sich wuchtig an, Figuren reagieren sichtbar auf Schläge, und die Kämpfe entwickeln schnell eine immense Intensität. Besonders auffällig ist, dass viele Situationen auf unmittelbare Reaktionen hinauslaufen. Wer schneller reagiert oder besser antizipiert, verschafft sich sofort Vorteile. Absolut nichts läuft allerdings ohne viel Training.
Wenn du eine funktionierende Kombination gefunden hast, kannst du sie nicht einfach immer und immer wieder einsetzen, denn Gegner wischen mit dir nach den ersten beiden Malen den Boden auf. Das sorgt dafür, dass du die von dir gewählten Kämpfer und ihre Eigenheiten wirklich einprägen musst, um erfolgreich zu sein. Gleichzeitig bleibt das Grundtempo sehr hoch. Du hast kaum Pausen zwischen den Aktionen, was die Matches dynamisch macht. Fehler werden sofort bestraft, weil der Gegner die Gelegenheit nutzt, um Druck aufzubauen. Auch wenn die Tiefe des Systems nicht ganz in Richtung komplexer Genre-Vertreter geht, macht das Tempo "Invincible VS" extrem herausfordernd für Kampfspiel-Anfänger.
Wichtig ist auch die Rollenverteilung der Figuren. Die Unterschiede zwischen den Charakteren sind klar spürbar, aber nicht übermäßig kompliziert. Du erkennst schnell, ob eine Figur eher auf Geschwindigkeit, Kraft oder Kontrolle ausgelegt ist. Diese Klarheit hilft beim Einstieg, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass sich das Spiel nicht in zu vielen Details verliert. Auf der PlayStation 5 läuft das Ganze stabil und ohne spürbare Verzögerungen. Gerade in einem schnellen Prügelspiel ist das entscheidend, weil jede Verzögerung sofort auffallen würde. Der Aufbau von "Invincible VS" bleibt insgesamt übersichtlich. Im Mittelpunkt steht der Multiplayer-Kampf, der Einzelspielerbereich fällt dagegen – schade für Fans – sehr klein und sehr kurz aus.
Tutorial und Training lehren Grundlagen und fortgeschrittene Kampftechniken, im Arcade-Modus haut man einfach wild drauf und sammelt kleine Geschichten rund um die Figuren und Verzierungen für das Kampfprofil, und die – zugegeben unterhaltsame – Story ist nach nicht einmal zwei Stunden auch schon durchgezockt. Der Mehrspielerbereich ist dagegen das, womit "Invincible VS" wirklich glänzen will. Du kannst lokal gegen eine zweite Person antreten oder online gegen andere Spieler kämpfen. Das Spiel setzt nicht auf eine riesige Auswahl an Modi oder komplizierte Zusatzsysteme, sondern konzentriert sich auf das, was es am besten kann: Kämpfe, in denen die Steuerung, das Tag-System und Schnelligkeit genug Komplexität bieten.
Optisch orientiert sich "Invincible VS" sehr stark an der bekannten Vorlage. Die Figuren sind klar wiederzuerkennen, und auch die Inszenierung der Kämpfe greift den Stil der Serie auf. Das sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert. Die Kämpfe selbst sind bewusst überzeichnet dargestellt. Treffer wirken kräftig, Animationen sind deutlich und die Brutalität kommt nicht zu kurz. Akustisch wird dieser Ansatz unterstützt. Schläge und Treffer sind satt und klar hörbar, Explosionen und Effekte unterstreichen die Intensität der Kämpfe. Das Gesamtbild bleibt dadurch stimmig und konsequent auf Action ausgelegt. Pausen, Ruckler, Bugs? Fehlanzeige! Der Titel will dich in Bewegung halten, von Kampf zu Kampf, ohne viel Pause dazwischen.
Der Einzelspieler-Modus ist der perfekte Einstiegspunkt, wenn du nicht sofort online gehen willst. Hier kämpfst du dich durch eine Reihe an Duellen, die lose miteinander verbunden sind. Es geht weniger um eine verzweigte Geschichte, sondern vielmehr darum, die Figuren aus dem Universum in verschiedenen Konstellationen gegeneinander antreten zu lassen. Du bekommst kurze Zwischensequenzen, die den Kontext setzen, aber im Mittelpunkt steht immer der nächste Kampf. Die Handlung ist dennoch ein Leckerbissen für Fans der Vorlage und der Modus eine gute Vorbereitung darauf, erste Kombos und Mechaniken zu üben, die allerdings im Trainingsmodus perfektioniert werden müssen, um im Multiplayer bestehen zu können.
Im Online-Modus zeigt "Invincible VS" seine stärkste Seite. Die Matches gegen andere Spieler sind unberechenbarer, schneller und deutlich spannender als gegen die KI. Jede Figur kann hier ihr volles Potenzial entfalten, weil menschliche Gegner anders reagieren, Fehler anders machen und Situationen anders lesen. Gerade hier wird auch sichtbar, wie wichtig das Timing ist. Wer seine Angriffe zu früh oder zu spät setzt, gerät schnell unter Druck. Gleichzeitig entstehen dadurch sehr intensive Matches, in denen kleine Fehler sofort Konsequenzen haben. Das sorgt für Spannung, auch wenn das Grundsystem gleich bleibt. Die Figuren selbst bleiben dabei der wichtigste Faktor. Denn wenn etwas auffällig ist, dann sind es Balancing-Unterschiede.
Ich habe im Test häufig zwischen mehreren Charakteren gewechselt, um zu sehen, wie sich das Spielgefühl verändert. Mark Grayson bleibt die schnelle, aggressive Option, die viel Bewegung erlaubt. Omni-Man fühlt sich dagegen deutlich schwerer an, aber auch konsequenter in seinen Angriffen. Atom Eve spielt sich kontrollierter, mit mehr Fokus auf Distanz und gezielte Aktionen. Zudem richten einige Figuren deutlich simpler mehr Schaden an als andere. Diese Unterschiede sind spürbar, aber sie verändern nicht das Grundprinzip, dass es Training und Können braucht, um zu bestehen – und dass dieses Können auch weit darüber steht, welche Figur man in die Arena schickt. Egal wen du wählst, das Spiel bleibt immer ein knallharter Tempo-Prügler.
Teil von "Invincible VS" sind Spezialattacken und Super Moves, die den Kämpfen zusätzlichen Schub geben. Die Steuerung setzt im Kern auf eine klassische 8-Knopf-Belegung, die sich zu Kombos stapeln lässt. Die Special Moves entstehen durch Kombinationen aus Aktionstasten und Richtungseingaben, was für Anfänger fordernd sein kann. Wenn die Anzeige für Super Moves geladen ist, können Figuren besonders starke Angriffe ausführen, die oft mehrere Treffer hintereinander auslösen und drastischen Schaden verursachen. Diese Momente sind bewusst überzeichnet inszeniert und brechen den Kampf kurzzeitig auf, bevor es wieder in das schnelle Grundtempo zurückgeht. Wer alles an Möglichkeiten beherrscht, dominiert auch die Arena.
Am Ende bleibt "Invincible VS" ein Spiel, das sehr genau weiß, was es sein will. Es konzentriert sich auf schnelle, direkte Kämpfe mit bekannten Figuren und setzt genau dort seine Stärken. Gleichzeitig verzichtet es auf umfangreiche Zusatzinhalte. Auch die Modi selbst bieten wenig zusätzliche Abwechslung. Neben Einzelspieler und Online-Duellen bleibt das Angebot überschaubar. Fraglich ist aktuell deshalb noch die Langzeitmotivation. Als schnelles und auch für Profis interessantes Kampfspiel macht es jedoch eine hervorragende Figur. Wer genau diese Art von direkter Prügel-Action sucht, bekommt hier ein konsequent umgesetztes Spiel, das intensive Action mit der Notwendigkeit von Training und eine starke Marke vereint.