Im Wettlauf um die Vorherrschaft bei Künstlicher Intelligenz geht der Google-Mutterkonzern Alphabet jetzt einen eher ungewöhnlichen Weg. Das Unternehmen bittet Investoren um Geld, das erst im 22. Jahrhundert zurückgezahlt werden soll. Laut Daten, die am Dienstag von der Finanznachrichtenagentur Bloomberg veröffentlicht wurden, gibt Alphabet eine Anleihe mit einer Laufzeit von hundert Jahren aus – fällig wird sie erst im Februar 2126.
Das Interesse der Geldgeber an Investitionen in KI ist so groß, dass bereits Anleihen im Wert von rund 100 Milliarden Dollar (knapp 84 Milliarden Euro) gezeichnet wurden. Alphabet selbst hat sich auf Nachfrage vorerst nicht zu den Anleihen geäußert. Der Konzern steckt mitten in einem heftigen Investitionswettbewerb, bei dem auch Konkurrenten wie Amazon, Meta oder Microsoft riesige Summen in KI-Infrastruktur pumpen.
An den Finanzmärkten sorgt das allerdings für gemischte Reaktionen – manche Investoren befürchten, dass die Ausgaben zu hoch sein könnten. Dass Unternehmen Anleihen mit einer Laufzeit von hundert Jahren ausgeben, ist eher selten. Normalerweise könnte Alphabet die nötigen Investitionen auch mit den eigenen Einnahmen aus der Online-Werbung stemmen und müsste dafür keine Schulden aufnehmen.
Doch das Ringen um die KI-Vorherrschaft bringt gerade massive Veränderungen und Rekordinvestitionen in Infrastruktur wie Rechenzentren oder Stromversorgung mit sich. Im vergangenen Jahr hat Alphabet dafür 91 Milliarden Dollar ausgegeben – heuer könnten es sogar bis zu 185 Milliarden Dollar werden. Um diesen enormen Anstieg der Ausgaben zu finanzieren, hatte Alphabet schon Ende des vergangenen Jahres eine Anleihe mit fünfzig Jahren Laufzeit ausgegeben.
Hundertjährige Anleihen sind zwar nicht völlig neu, aber US-Firmen haben dieses Instrument schon seit Jahrzehnten kaum mehr genutzt. In den 90er Jahren haben Unternehmen wie Disney, Coca-Cola, FedEx, Ford oder Motorola auf solche Schuldverschreibungen zurückgegriffen.