In den USA hat ein möglicherweise richtungsweisender Prozess gegen mehrere Internet-Giganten begonnen: Meta und Google (Alphabet) müssen sich vor einer Geschworenenjury in Los Angeles gegen den Vorwurf verteidigen, Social-Media-Sucht bei Minderjährigen zu fördern. Kläger-Anwalt Mark Lanier warf Meta und YouTube dabei vor, sie hätten bei Kindern und Jugendlichen gezielt "Sucht erzeugt".
Beklagt sind der Google-Mutterkonzern Alphabet sowie Meta – also die Konzerne hinter Youtube, Facebook und Instagram. Die Videoplattform TikTok, betrieben vom chinesischen Unternehmen Bytedance, hatte sich kurz vor Prozessbeginn außergerichtlich geeinigt und ist daher nicht mehr Teil des Verfahrens. Den Unternehmen wird vorgeworfen, ihre Plattformen bewusst so gestaltet zu haben, dass sie bei jungen Nutzern Abhängigkeit begünstigen.
In den kommenden Tagen werden prominente Zeugen erwartet: Meta-Chef Mark Zuckerberg soll nächste Woche aussagen, Instagram-Chef Adam Mosseri könnte frühestens am Mittwoch befragt werden. Auch eine Vorladung von Youtube-Chef Neil Mohan gilt als wahrscheinlich.
Im Zentrum des Prozesses steht der Fall einer 19-jährigen Frau, die in den Unterlagen mit den Initialen K.G.M. geführt wird. Sie macht geltend, durch die Nutzung sozialer Netzwerke abhängig geworden zu sein und dadurch schwere psychische Schäden erlitten zu haben. Das Verfahren gilt als Musterprozess, der auch für zahlreiche weitere Klagen richtungsweisend sein könnte.
Die Klägerseite setzt dabei auf Strategien, die bereits in den 1990er- und 2000er-Jahren in Verfahren gegen die Tabakindustrie eingesetzt wurden. Damals wurde argumentiert, Unternehmen hätten ein schädliches Produkt bewusst vermarktet. Meta wies die Vorwürfe bereits im Vorfeld zurück. Ein Youtube-Sprecher bezeichnete die Anschuldigungen als "schlichtweg falsch".