Wie viel Zeit Eltern mit ihren Kindern verbringen, ist nicht nur eine Frage von Alltag und Stress – sondern offenbar auch stark vom Bildungsgrad abhängig. Das zeigt eine neue Studie des deutschen Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB).
Demnach stehen zwischen Akademiker-Eltern und bildungsfernen Haushalten 37 Minuten mehr Kinderzeit pro Tag. Hochgerechnet kommen bis zum fünften Lebensjahr über 1.100 Extra-Stunden zusammen.
Für die Untersuchung wurden Daten aus der Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2022 ausgewertet. Dabei wurde analysiert, wie sich Einkommen und Bildungsgrad auf die gemeinsame Zeit von Eltern und Kindern auswirken.
Das Ergebnis ist deutlich: Hat mindestens ein Elternteil einen Hochschulabschluss, verbringen Eltern im Schnitt 37 Minuten pro Tag mehr mit ihren Kindern – und zwar in den ersten fünf Lebensjahren. Hochgerechnet auf diese entscheidende Entwicklungsphase entspricht das 1.125 zusätzlichen Stunden. Setzt man diesen Wert in Relation zur Zeit, die Kinder in vorschulischen Bildungseinrichtungen verbringen, ergibt sich ein Plus von mehr als 10 Prozent zusätzlicher Förderung.
Die Ungleichheiten, die sich bereits in der Bildung zeigen, spiegeln sich auch beim Einkommen wider: Eltern mit höherem Haushaltseinkommen investieren nicht nur mehr Zeit in gemeinsame Lern- und Bildungsaktivitäten, sondern geben auch deutlich mehr Geld für Bücher, Nachhilfe sowie Sport- oder Musikunterricht aus.
Die Studie zeigt außerdem, dass die gemeinsame Zeit im Laufe der Jahre deutlich abnimmt. Während Eltern im Kindergartenalter durchschnittlich noch rund acht Stunden pro Tag mit ihren Kindern verbringen, sind es in der Grundschule etwa sieben Stunden.
Später – wenn Kinder älter werden – sinkt die gemeinsame Zeit laut Auswertung auf nur noch rund zwei Stunden täglich. Insgesamt verbringen Eltern und Kinder etwa drei Viertel ihrer gesamten gemeinsamen Zeit bis zum zehnten Lebensjahr miteinander.
Ein weiterer Punkt: Nicht nur die Menge der Zeit unterscheidet sich, sondern auch die Art der Aktivitäten. Während es in den ersten drei Lebensjahren vor allem um Versorgung und Grundbedürfnisse geht, rücken danach zunehmend gemeinsame Beschäftigungen in den Vordergrund. Dabei zeigt sich: Eltern mit höherem Bildungsgrad investieren im Schnitt 20 Minuten mehr pro Tag in Lesen, Vorlesen und Gespräche als Eltern aus bildungsfernen Haushalten.