Bei der ersten Sitzung des Jahres hat sich der Zentralbankrat der US-Notenbank Federal Reserve mit deutlicher Mehrheit dafür entschieden, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen. Wie "20 Minuten" berichtet, wurde diese Entscheidung von der Mehrheit der Volkswirte erwartet.
Die Federal Reserve in Washington begründete ihre Entscheidung damit, dass Inflation und die Lage am Arbeitsmarkt derzeit gleich stark gewichtet werden. Daher sei aktuell keine weitere Zinssenkung notwendig.
Das Abstimmverhalten der zwölf Zentralbankräte bei der aktuellen Zinsentscheidung zeigt die tiefen Furchen zwischen Trump-Regierung und den unabhängigen Währungswächtern. Nur Fed-Gouverneur Christopher Waller sowie Trumps Berater Stephen Miran sprachen sich – wie schon früher – für eine Senkung aus.
Miran wurde von Trump für eine offene Stelle im Fed-Vorstand nominiert, um die gewünschten Zinssenkungen schneller durchsetzen zu können. Waller gilt als möglicher Nachfolger für den Chefposten der Notenbank.
Während seiner ersten Amtszeit war es Donald Trump selbst, der 2018 den damals schon hochdekorierten Jerome Powell zum Chef der Notenbank gemacht hatte. Inzwischen fährt der US-Präsident eine regelrechte Hasskampagne mit persönlichen Beschimpfungen und Drohungen gegen ihn.
Der Grund: Trump will einen möglichst niedrigen Leitzins, doch die Fed ist unabhängig. Weil sich Powell nicht verbiegen lässt, eskalieren die Angriffe immer weiter. Zuletzt hatte Trumps Justizministerium der Notenbank Vorladungen zugestellt und mit einer Anklage sowie strafrechtlichen Ermittlungen gedroht. Offiziell geht es darum, dass zu den Kosten der Zentralbank-Sanierung vor dem Senat falsche Angaben gemacht worden sein sollen.
In einer seltenen Video-Stellungnahme wies Jerome Powell das als Versuch zurück, Einfluss auf die Fed zu nehmen. Das US-Justizministerium habe der Notenbank Vorladungen zugestellt und mit einer Anklage gedroht.
"Die Drohung mit einer Anklage ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die Zinssätze nach bestem Wissen und Gewissen im öffentlichen Interesse festlegt und nicht den Präferenzen des Präsidenten folgt", wehrt sich der Fed-Chef. Er werde sein Amt weiterhin "integer und im Dienste des amerikanischen Volkes ausführen".
Würde ein US-Präsident tatsächlich Einfluss auf die Leitzinsentscheidung nehmen, wäre das Vertrauen in die internationalen Finanzmärkte massiv erschüttert. Normalerweise wird der geldpolitische Kurs allein anhand der Datenlage festgelegt – unabhängig von der Regierung.
Trumps ständige Angriffe und die damit verbundenen Sorgen um die Unabhängigkeit der Fed haben zuletzt dem US-Dollar und amerikanischen Staatsanleihen zugesetzt. Immer mehr Investoren suchen daher nach Alternativen und setzen verstärkt auf Gold.