Die Lage am niederösterreichischen Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Seit 37 Monaten in Folge steigt die Arbeitslosigkeit. Ende Mai 2026 waren 43.942 Personen beim AMS in Niederösterreich arbeitslos vorgemerkt. Das sind 2.061 Menschen mehr als im Mai des Vorjahres – ein Plus von 4,9 Prozent.
Damit trifft die Entwicklung Niederösterreich stärker als den Bundesschnitt. Österreichweit stieg die Arbeitslosigkeit nämlich um 1,9 Prozent. Rechnet man Schulungsteilnehmer dazu, waren in NÖ 54.422 Personen auf Jobsuche. Das ist ein Plus von ganzen fünf Prozent.
Kritik kommt von Landesrat Sven Hergovich (SPÖ): "Seit Monaten steigt die Arbeitslosigkeit in Niederösterreich schneller als im Bundesschnitt. Dabei wird die Problemlage im Sommer nur noch größer werden. 54.422 Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher und ihre Familien sind bereits betroffen. Eine schleichende Deindustrialisierung trifft auf einen Energiepreisschock, steigende Langzeitarbeitslosigkeit und die ersten Auswirkungen der KI-Revolution auf die Jugendarbeitslosigkeit."
Die Arbeitslosenquote liegt im Bundesland aktuell bei 6,2 Prozent. Gleichzeitig zeigt sich bei den Jobs kaum Bewegung. Ende Mai waren in Niederösterreich geschätzt 661.000 Personen unselbständig beschäftigt. Das Niveau stagniert. 297.000 davon waren Frauen, 364.000 Männer.
Dabei stieg die Zahl der arbeitslosen Frauen um 7,9 Prozent, bei Männern betrug der Anstieg 2,3 Prozent.
Ältere Jobsuchende trifft es ebenfalls hart. Bei Personen ab 50 Jahren stieg die Arbeitslosigkeit um 943 Personen oder 6,1 Prozent. Nur bei Jugendlichen bis 24 Jahre zeigt sich ein kleiner Lichtblick: Hier sank die Zahl leicht um 0,2 Prozent.
AMS-NÖ-Chefin Sandra Kern verweist auf die intensive Suche nach offenen Jobs. Von Mitte April bis Mitte Mai waren AMS-Berater in ganz Niederösterreich bei Betrieben unterwegs. "Bei mehr als 2.200 Kontakten wurden knapp 6.000 freie Stellen und Lehrstellen akquiriert. Seit Jahresbeginn haben 6.303 junge Menschen, die zuvor beim AMS gemeldet waren, eine Arbeit aufgenommen." Auch 5.230 Jobsuchenden über 55 Jahren gelang der Wiedereinstieg.
Sorgen machen vor allem die offenen Stellen. Aktuell sind beim AMS in Niederösterreich 12.094 freie Jobs gemeldet. Das sind um 17 Prozent weniger als vor einem Jahr. Auch am Lehrstellenmarkt gibt es einen Stellenrückgang von 10,9 Prozent. Besonders stark ist der Rückgang im Gesundheits- und Sozialwesen mit minus 40,2 Prozent.
Hergovich fordert unter anderem niedrigere EVN-Energiepreise und ein Konjunkturpaket für Niederösterreich. Das Land sei ein Industrieland, Betriebe müssten gestärkt und Arbeitsplätze gesichert werden.
Arbeitsmarkt-Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) betont hingegen, dass hinter jeder Zahl ein Mensch mit Verantwortung und Zukunftsplänen stehe. "Unser Anspruch ist es, Perspektiven zu schaffen und Niederösterreich als Land der Chancen weiter zu stärken. Mit einer aktiven Arbeitsmarktpolitik setzen wir gezielt dort an, wo Unterstützung gebraucht wird: bei Qualifizierung, regionaler Wertschöpfung und sicheren Arbeitsplätzen für unsere Landsleute."
Während die Arbeitslosigkeit weiter steigt, schrumpft ausgerechnet das Angebot an freien Jobs – für viele Jobsuchende in NÖ wird der Weg zurück in den Arbeitsmarkt damit noch schwerer.