"Plauderecke" im Sozialmarkt

Arm und einsam – neues Projekt gibt Engelbert Hoffnung

Mit 1.300 € Pension bleibt Engelbert oft nur das Nötigste. Soziale Kontakte bleiben auf der Strecke. Die "Plauderecke" im Sozialmarkt soll das ändern.
Hannah  Maier
24.02.2026, 07:00
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Armut und Einsamkeit sind häufig eng miteinander verknüpft – eine Erfahrung, die sich in den Sozialmärkten des Samariterbundes vielerorts bestätigt. Auch am Standort in der Böckhgasse (Wien-Meidling) wird deutlich, wie sehr finanzielle Not mit sozialer Isolation einhergehen kann.

Um dem entgegenzuwirken, setzt man dort nun ein bewusstes Zeichen: Mit der neu eröffneten "Plauderecke" möchte man nun Leute bei Kaffee und Kuchen zusammenbringen, Austausch fördern und Freundschaften entstehen lassen.

Pensionist sucht Menschen zum Plaudern

Einer, der das Angebot auf jeden Fall in Anspruch nehmen möchte, ist Engelbert. Der 67-Jährige lebt im 10. Bezirk. Seine Frau ist vor fünf Jahren gestorben. Gesellschaft leistet ihm sein Hund. Die neue "Plauderecke" im Sozialmarkt gefällt dem 67-Jährigen gut. "Es ist wirklich nett. Endlich kommt man mal mit Leuten ins Reden. Ich werde sicher öfters herkommen", sagt er.

40 Jahre lang hat Engelbert beim Bundesheer gearbeitet. "Es war viel Arbeit für wenig Geld und jetzt bekomme ich nur eine geringe Pension – 1.300 Euro", erzählt der Wiener. Das Geld reicht nicht immer aus, erzählt er. "Man muss eisern sparen", sagt der Pensionist. Bei Lebensmitteleinkäufen schränkt er sich ein. "Zwei Drittel des Geldes geht im Monat für Wohnen und Energiekosten drauf", so Engelbert.

"Plauderecke" im Sozialmarkt

"Einsamkeit ist seit Jahren ein Thema. Viele können sich Restaurant- oder Café-Besuche nicht mehr leisten, bleiben zuhause und sind alleine", sagt Georg Jelenko, Projektmanager und Initiator der neuen "Plauderecke". Bei kostenlosem Kaffee und kleinen Snacks können Besucher miteinander ins Gespräch kommen, neue Kontakte knüpfen oder einfach Zeit in angenehmer Atmosphäre verbringen. Ehrenamtliche werden gesucht, die vor Ort die Menschen zusammenbringen und sich mit ihnen unterhalten.

Öffnungszeiten der Plauderecke:
Montag und Freitag: 8 bis 10 Uhr
Mittwoch: 13 bis 15 Uhr

Ort: Sozialmarkt Böckhgasse, Böckhgasse 2–4, 1120 Wien

"Plauderecke" steht allen offen

"Gerade in herausfordernden Zeiten spüren wir, wie wichtig soziale Nähe und persönliche Gespräche sind. Mit der Plauderecke schaffen wir bewusst Raum für Begegnung. Sie steht allen Menschen offen – unabhängig davon, ob sie im Sozialmarkt einkaufsberechtigt sind oder nicht. Gemeinschaft bedeutet für uns alle auch, füreinander da zu sein und zuzuhören", sagt Susanne Drapalik, Präsidentin des Samariterbundes Wien.

Mit der neuen Plauderecke setzt der Samariterbund Wien einen weiteren Schritt, um soziale Teilhabe zu fördern und Einsamkeit aktiv entgegenzuwirken. In Zukunft soll das Projekt auch an anderen Standorten umgesetzt werden.

{title && {title} } HTM, {title && {title} } Akt. 24.02.2026, 09:38, 24.02.2026, 07:00
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