Erst traf es Fahrgäste in Perchtoldsdorf, jetzt ist auch Mödling von Kürzungen im Öffi-Angebot betroffen: Im Bezirk Mödling geraten die Ortsbusse immer stärker unter Druck. Beide Gemeinden ziehen jetzt bei ihren bisherigen Bus-Angeboten die Reißleine. Knapp 200 Fahrgäste könnten darum bald ohne Ortsbus dastehen.
In Mödling wurde der Stadtbus kürzlich im Zuge der Budgetkonsolidierung genau durchleuchtet. Das Ergebnis fällt bitter aus. Mobilitätsstadtrat Tim Pöchhacker (Die Grünen) sagt im "Kurier": "Zusammenfassend muss festgehalten werden, dass die Fahrgastzählungen der letzten drei Jahre dem Citybus bezüglich Auslastung und Effizienz in Relation zu den Kosten ein schlechtes Zeugnis ausstellen."
Konkret wurden in den vergangenen drei Jahren an Schultagen im Schnitt nur 80 bis 260 Fahrgäste pro Tag auf den drei Linien gezählt. In den Ferien waren es laut Bericht nur 50 bis 145 Fahrgäste täglich – bei bis zu 49 Fahrten am Tag.
Wie die "NÖN" berichten, saßen auf Linie 3 zwischen dem Bahnhof Mödling und dem Haus der Wirtschaft im Schnitt nur 3,3 Fahrgäste im Bus. In den Ferien war die Auslastung noch schwächer.
Gleichzeitig kostete der Stadtbus die Gemeinde im Vorjahr rund 530.000 Euro. Das Land NÖ übernimmt von den Kosten etwa ein Drittel, Wiener Neudorf zahlt 10.000 Euro pro Jahr dazu. Den Rest stemmt vor allem Mödling.
Als Hauptproblem nennt Pöchhacker im "Kurier" die Betriebszeiten und die Linienführung. Der Stadtbus fährt nur von Montag bis Freitag, etwa von 6.30 bis 18.30 Uhr. Am Abend, am Wochenende und in einigen Stadtteilen fährt der Mödlinger Stadtbus gar nicht.
Ganz aufgeben will Mödling den öffentlichen Verkehr aber nicht. Die Stadtregierung arbeite an einem neuen Modell, das moderner, flächendeckender und auch abends sowie am Wochenende verfügbar sein soll. Dafür brauche es allerdings Unterstützung des Landes NÖ.
In Perchtoldsdorf ist man schon einen Schritt weiter. Dort soll der Ortsbus mit 30. Juni beendet werden. Die jährlichen Kosten von rund 235.000 Euro seien "in Zeiten des Spardrucks nicht mehr gerechtfertigt", sagt Vizebürgermeister Anton Platt (Neos) im "Heute"-Gespräch.
Stattdessen setzt die Gemeinde künftig stärker auf bestehende VOR-Linien, Zuschüsse und andere Mobilitätsangebote. Für Fahrten innerhalb des Ortsgebiets sollen weiter 50 Cent pro Einzelfahrschein zugeschossen werden. Für Schüler und ältere Menschen werden eigene Lösungen gesucht.