In Perchtoldsdorf (Bezirk Mödling, NÖ) sorgt der von der Gemeinde geplante Abschied vom Ortsbus für heftigen Wirbel. Begründet wird der Schritt mit den Kosten, die laut Gemeindeführung in keinem Verhältnis zur Nutzung stehen.
Die Grünen sehen das völlig anders. Knapp 100 Fahrgäste würden den Bus täglich nutzen, um zum Arzt, zum Einkaufen oder in die Schule zu kommen. Für Andreas Koller-Garber, Fraktionssprecher der Grünen Perchtoldsdorf, ist klar: "Diese Menschen sind kein bloßer Kostenfaktor, den man einfach wegkürzen kann. Mobilität ist ein Grundrecht und Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge."
Besonders betroffen seien laut den Grünen Menschen ohne eigenes Auto. Auch rund um die Endstation der Linie 60 könnten neue Probleme entstehen. Dort gebe es eine 3-Stunden-Kurzparkzone und ohnehin kaum Parkplätze.

Auch Umweltgemeinderätin Claudia Wolfert schlägt Alarm. Fällt der Ortsbus weg, würden viele Wege wieder mit Auto oder Taxi zurückgelegt. Mehr Verkehr in engen Gassen und mehr CO2-Ausstoß wären die Folge, warnt sie.
Die Grünen fordern Bürgermeisterin Andrea Kö (ÖVP) und Vizebürgermeister Tony Platt nun auf, die Entscheidung zu überdenken. "In Zeiten der Klimakrise und steigender Spritkosten brauchen wir einen Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel mehr denn je!", so Grünen-Fraktionssprecher Koller-Garber abschließend.
Auf "Heute"-Anfrage erklärt Perchtoldsdorfs Vizebürgermeister Tony Platt (Neos) die Hintergründe der Entscheidung zwischen der schwarz-pinken Koalition: "Wir sind eine Abgangsgemeinde, deshalb sind wir einem Sanierungsprogramm verpflichtet. Ich bin selbst ein riesiger Anhänger vom Öffi-Verkehr. Wir haben aber nur ein bis zwei Kurse, die wirklich gut genutzt werden. Das betrifft rund 50 Schulkinder, die in der Früh mit dem Bus unterwegs sind. Wir arbeiten aber bereits daran, den Schulbus umzuleiten, damit diese 50 Fahrgäste täglich trotzdem mit einem anderen Bus fahren können."
Auf den restlichen Linien würden zwischen null und zwei Fahrgäste pro Bus fahren – das rechne sich schlichtweg nicht. Vizebürgermeister Platt: "Für jeden Fahrgast zahlt die Gemeinde zehn Euro dazu. Mich wundert, warum die Grünen so an dem Bus anhalten: Wenn zwei Personen in einem Bus sitzen, dann ist der CO₂-Ausstoß dieses Dieselbusses ja schlimmer als der eines Pkw. Der Ortsbus wird nicht genutzt, die Bevölkerung hat gesprochen. Mit der Einstellung des kaum genutzten Ortsbusses kann die Gemeinde jetzt 235.000 Euro jährlich sparen."
Platt gibt "Heute" gegenüber an, an Lösungen nach dem Aus des Ortsbusses werde bereits gearbeitet. Rund 50 der 100 täglichen Fahrgäste seien jene Schulkinder, die in Zukunft auf andere, umgeleitete Busse ausweichen können sollen. Die Mehrzahl der übrigen Fahrgäste seien einzelne Pensionisten.
"Ich habe mit einigen der Pensionisten gesprochen, die wirklich mit dem Bus fahren und darauf angewiesen sind. Für mobilitätsbedürftige Pensionisten, die Unterstützung brauchen, planen wir, pro Person jährlich 500 Euro zur Verfügung zu stellen.
Damit sollen sich diese Menschen Taxis leisten können an Orte, wo kein Bus mehr hinfährt." Fixiert ist dieser Plan aber noch nicht, im Juni soll erst die Abstimmung erfolgen.