Streit mit Buchungs-Riesen

Aufstand gegen Booking.com – Austro-Hotels greifen an

Die Hotelvereinigung hat bei der EU-Kommission Beschwerde gegen Booking.com eingebracht. Im Zentrum stehen Preise, Provisionen und Stornos.
Österreich Heute
26.09.2026, 18:08
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Jetzt landet der Streit um Booking.com bei der EU-Kommission. Die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) hat Beschwerde gegen die Buchungsplattform eingebracht. Der Vorwurf: Mehrere Geschäftspraktiken würden gegen den Digital Markets Act (DMA) verstoßen.

Booking.com gilt seit Mai 2024 als sogenannter Gatekeeper und muss sich deshalb an besondere Regeln halten. Die ÖHV will erreichen, dass die EU-Kommission die beanstandeten Praktiken prüft und Booking.com zu Änderungen verpflichtet.

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Hintergrund ist auch die enorme Bedeutung der Plattform für heimische Hotels. Laut der European Hotel Distribution Study 2026 entfallen in Österreich 73,9 Prozent der Buchungen über Online-Plattformen auf Booking Holdings. Im europäischen Schnitt sind es 68,8 Prozent.

"Muss durchgesetzt werden"

"Wenn ein Konzern drei von vier Plattformbuchungen kontrolliert, sind seine Geschäftsbedingungen keine Verhandlungssache mehr, sondern Diktat. Genau für diese Situation hat die EU den Digital Markets Act geschaffen. Jetzt muss er auch durchgesetzt werden", sagt ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer.

Das wirft die ÖHV Booking.com vor

Insgesamt nennt die Hotelvereinigung fünf Punkte. Einer davon betrifft die Zimmerpreise. Booking.com könne laut eigenen Bedingungen Preise auf eigene Kosten reduzieren, ohne das betroffene Hotel vorher zu fragen oder zu informieren. Laut Studie hätten 80 Prozent der davon betroffenen Hotels einer solchen Unterbietung nicht zugestimmt.

Auch die Platzierung der Hotels auf Booking.com sorgt für Kritik. Laut ÖHV kann die Höhe der Provision das Ranking beeinflussen. Hotels können zudem an Programmen teilnehmen, bei denen sie für eine bessere Platzierung mehr bezahlen. Die Hotelvereinigung sieht darin eine Benachteiligung anderer Betriebe.

Der dritte Punkt betrifft die Zahlungsabwicklung. Booking.com könne entsprechende Kosten an Hotels weiterverrechnen, kritisiert die ÖHV. Eine Obergrenze, genaue Aufschlüsselung oder ein Prüfrecht gebe es demnach nicht.

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Stornos sorgen ebenfalls für Ärger

Ein weiterer Streitpunkt sind Stornierungen und Preisnachlässe. Die ÖHV wirft der Plattform vor, dass diese in der Praxis teilweise ohne Zustimmung des Hotels erfolgen würden.

Auffällig ist dabei die Stornoquote: Laut Studie werden 19 Prozent der Booking.com-Buchungen storniert. Bei Buchungen direkt über die Hotelwebseite sind es 9,1 Prozent.

Schließlich kritisiert die ÖHV die Möglichkeiten, Hotels auf der Plattform zu sperren. In den Bedingungen seien 17 Gründe vorgesehen, die eine sofortige Sperre ohne vorherige Mahnung ermöglichen würden. Darunter befänden sich auch weit gefasste Formulierungen.

"Viele Betriebe trauen sich nicht, selbst gegen Booking.com vorzugehen, weil sie Nachteile auf der Plattform befürchten. Das allein zeigt, wie groß die Abhängigkeit ist. Deshalb geht die ÖHV voran und vertritt die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber Brüssel", sagt Gratzer.

Das fordert die Hotelvereinigung

Die ÖHV verlangt unter anderem, dass Preisnachlässe nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Hotels gewährt werden. Zudem sollen die Faktoren für das Ranking transparenter werden und Zahlungsgebühren vorab offengelegt und angemessen sein.

Auch Stornos und nachträgliche Rabatte sollen nach Ansicht der Hotelvereinigung nur mit dokumentierter Zustimmung des betroffenen Betriebs möglich sein. Bei einer drohenden Sperre sollen Hotels außerdem vorher die Möglichkeit bekommen, Stellung zu nehmen.

Die ÖHV fordert auch die Bundesregierung auf, die Beschwerde auf europäischer Ebene zu unterstützen.

"Booking Holdings hat 2025 einen Umsatz von 26,9 Mrd. US-Dollar erzielt. Es geht hier nicht um David gegen Goliath aus Prinzip, sondern um faire Spielregeln für Tausende Familienbetriebe, die ohne Plattform kaum sichtbar sind und mit ihr kaum Handlungsspielraum haben", so Gratzer.

red,26.09.2026, 18:08