Die Vorwürfe wiegen schwer: Im Zuge eines Ideenwettbewerbs war im Jahr 2020 der Umbau der Volksschule Rohrau (Bezirk Bruck/Leitha) vergeben worden. Mehrere Aufträge landeten beim Schwiegersohn von Bürgermeister Albert Mayer (ÖVP, damals noch Vizebürgermeister).
Doch trotz massiver Kostensteigerungen von 1,075 Mio. Euro auf rund 2,2 Mio. Euro fand keine Neuausschreibung statt, kritisiert der geschäftsführende FPÖ-Gemeinderat Dorel-Beniamin Birte. Schon bei der ersten Kostensteigerung wären die bei der Auftragsvergabe leer ausgegangenen Firmen der Gemeinde günstiger gekommen.
"Eine Trockenbauauftrag ging an eine 180 km entfernte Firma, obwohl vier Meter neben dem Bauprojekt eine lokale Trockenbaufirma besteht. Ein Fassadenauftrag ging an ein Unternehmen ohne eigenes Fachpersonal", so Birte.
Und weiter: "Die Rede war immer von neuen Klassenräumen, die aber nie errichtet wurden. Wurden dafür Fördermittel beantragt bzw. zweckentfremdet? Der mutmaßlich befangene Bürgermeister leitete sämtliche Sitzungen. So etwas ist offenbar nur in ÖVP-Gemeinden möglich“, so Birte, der erst seit der Gemeinderatswahl 2025 im Gemeinderat sitzt – er verweist dabei auch auf jüngste Fälle in den ÖVP-Gemeinden Pernitz oder Sigmundsherberg.
"Es gibt ein laufendes Verfahren", bestätigt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg gegenüber "Heute". Ermittelt wird wegen des Verdachts der Untreue und des Amtsmissbrauchs. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Der Bürgermeister der Marktgemeinde Rohrau, Albert Mayer, teilte in einem schriftlichen Statement gegenüber "Heute" mit: "Die Auftragsvergabe ist vor meiner Amtszeit als Bürgermeister erfolgt, dementsprechend verstehe ich die Aufregung der Freiheitlichen Partei in der Marktgemeinde Rohrau nicht. Zusätzlich habe ich bei der einstimmigen Beschlussfassung im Gemeinderat am 21. September 2020 auf Grund von Befangenheit den Saal verlassen und mich somit der Stimme enthalten. Darüber hinaus wurden alle Anschuldigungen von FPÖ-Gemeinderat Birte bereits vom Land Niederösterreich geprüft und als unbegründet abgewiesen. Die FPÖ sollte sich, anstatt haltlose Anschuldigungen zu tätigen, auf ihre Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger der Marktgemeinde Rohrau konzentrieren."
Am Donnerstag findet eine Gemeinderatssitzung in Rohrau statt, die FPÖ bringt einen Misstrauensantrag gegen Mayer ein. Birte: "Das ist schwarze Freunderlwirtschaft in Reinkultur. Der Bürgermeister muss die Konsequenzen ziehen und zurücktreten. Die Rohrauer verdienen etwas Besseres, als einen ÖVP-Ortskaiser, der nur auf seine Familie und Freunde schaut." Auch an der SPÖ übt Birte Kritik – auch diese hätte viel früher eingreifen müssen: "Und nicht einfach alles durchwinken."
"Es ist leider kein Einzelfall, dass sich ÖVP-Bürgermeister in Niederösterreich offenbar als unangreifbare Ortskaiser verstehen. Wer öffentliche Aufträge im engsten persönlichen Umfeld verteilt und demokratische Kontrolle als lästige Formalität behandelt, hat das Amt nicht verstanden. Gerade bei Millionenprojekten braucht es Transparenz, saubere Vergaben und eine klare Trennung zwischen Amt und privaten Interessen. Die Bürger erwarten Recht und Anstand, kein schwarzes Selbstbedienungssystem", kommentiert zudem FPÖ Niederösterreich-Kommunalsprecher und Landtagsabgeordneter Dieter Dorner die Causa.