Nach 40 Jahren

Aus für Sozialpsychiatrisches Zentrum, weil Stadt spart

Wegen fehlender Finanzierung durch die Stadt muss das Zentrum der Caritas schließen. Betroffen: 100 Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen.
Wien Heute
27.01.2026, 12:34
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Es ist ein tiefer Einschnitt für viele Betroffene: Nach rund vier Jahrzehnten muss das sozialpsychiatrische Zentrum der Caritas in Wien-Margareten am Donnerstag, dem 29. Jänner, seine Türen schließen. Die Einrichtung, die rund 100 Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen betreut, verliert ihre Finanzierung. Der Psychosoziale Dienst (PSD) der Stadt Wien hat die jährliche Förderung in Höhe von 540.000 Euro gestrichen – das Aus ist damit besiegelt.

„Wir haben als Mitarbeiterinnen sehr viel auffangen müssen an Emotion, an Wut, an Enttäuschung“
Lea LassnigLeiterin der Einrichtung

"Wir haben als Mitarbeiterinnen sehr viel auffangen müssen an Emotion, an Wut, an Enttäuschung", berichtet Leiterin Lea Lassnig im Gespräch mit dem ORF Wien. Auch die sechs Beschäftigten im Zentrum verlieren mit dem Aus ihren Arbeitsplatz.

Das Zentrum war für viele eine tägliche Anlaufstelle, bot nicht nur psychiatrische Grundversorgung und Einzel- oder Gruppentherapien, sondern auch soziale Beratung und kreative Gruppenangebote wie Musik- oder Tanztherapie.

Schließung für Betroffenen "eine Katastrophe"

Einer der Betroffenen ist Oliver Dominic. Der 45-Jährige leidet an einer leichteren Form von Schizophrenie – für ihn war das Zentrum über Jahre hinweg ein stabiler Ort. "Es gab verschiedene Gruppen wie die Malgruppe, die Tanztherapie, die Musikgruppe. Die habe ich auch besucht", erzählt er gegenüber dem ORF. Die Schließung ist für ihn "eine Katastrophe".

Auch der ärztliche Leiter des Zentrums, Thomas Wochele-Thoma, schlägt Alarm: "Menschen mit schizophrenen Erkrankungen brauchen Kontinuität. Genau das fällt ihnen schwer, und Behandlungsabbrüche können zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes führen."

Zwar können Betroffene künftig Angebote der städtischen psychosozialen Dienste nutzen – für Wochele-Thoma reicht das aber nicht, wie ihn der ORF zitiert: "Man hat versucht, mit dieser Vernetzung ein maßgeschneidertes Zusatzangebot zu schaffen." Das sei nun Geschichte.

Klienten verlieren Freunde

Für viele endet mit dem Zentrum nicht nur ein Therapieangebot – sondern auch ein sozialer Ort. "Ich hab von manchen die Telefonnummer, und da können wir auch so in Kontakt bleiben. Aber die meisten werde ich dann nicht mehr sehen", sagt Dominic leise.

Während die Stadt weiter auf ihr bestehendes Angebot verweist, bleibt für viele Betroffene ein Gefühl von Enttäuschung – und die Sorge, in einer ohnehin labilen Lebenssituation noch weiter ins Abseits zu geraten.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 27.01.2026, 12:40, 27.01.2026, 12:34
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen