Mit einer umstrittenen Inszenierung haben Pro-Palästina-Aktivisten am Wochenende in Stockholm für internationale Empörung gesorgt. Während einer Demonstration wurde ein Nachbau des Eingangstores des ehemaligen NS-Vernichtungslagers Auschwitz durch die Straßen getragen.
Statt der historischen Aufschrift "Arbeit macht frei" stand auf dem Tor jedoch das Wort "Gaza". Die Teilnehmer trugen blaue OP-Kleidung und Hauben, während im Hintergrund "Free, free, free Palestine" skandiert wurde.
Die Kundgebung war dem in Israel inhaftierten Arzt Dr. Hussam Abu Safiya gewidmet. Der ehemalige Direktor des Kamal-Adwan-Spitals im Norden des Gazastreifens wurde Ende 2024 von israelischen Streitkräften festgenommen und befindet sich seither ohne Anklage in Haft. Die israelische Armee wirft ihm Verbindungen zur Terrororganisation Hamas vor. Kollegen und internationale Hilfsorganisationen weisen diese Vorwürfe zurück.
Israels Botschafter in Schweden, Ziv Nevo Kulman, verurteilte die Aktion scharf. Er sprach von einer verstörenden Verharmlosung des Holocaust und warnte vor einem besorgniserregenden Anstieg antisemitischer Vorfälle in Schweden.
Auch der Dachverband der Jüdischen Gemeinden in Schweden übte deutliche Kritik. Vorsitzender Aaron Verständig bezeichnete die Verwendung des Auschwitz-Tores als "zutiefst beleidigend und abscheulich". Holocaust-Symbole für aktuelle politische Botschaften zu verwenden, verletze die Erinnerung an die Opfer.
Der schwedisch-jüdische Forscher Daniel Schatz kritisierte zudem, dass die Demonstration unter den Augen der Polizei stattfinden konnte. Auschwitz sei kein beliebiges Symbol, sondern der Ort des industriellen Massenmordes an rund 1,1 Millionen Menschen, überwiegend Juden.
Auf Videos der Demonstration ist außerdem ein Teilnehmer zu sehen, der eine Maske mit den Gesichtszügen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu trägt. Er war mit einem langen Ledermantel, einer Armbinde mit Davidstern sowie einer israelischen Flagge zu sehen. Beobachter werteten die Darstellung als Anspielung auf die Gestapo. Andere Teilnehmer trugen Kufiyas und hielten Plastikbabys in den Armen.
Der Krieg im Gazastreifen begann nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und 251 Geiseln verschleppt wurden. Israel reagierte mit einer großangelegten Militäroffensive.
Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden seither mehr als 72.000 Menschen im Gazastreifen getötet. Diese Zahlen lassen sich unabhängig nur eingeschränkt überprüfen.