Protokoll für den Ernstfall

Außerirdische Signale – UNO muss informiert werden

Was im Ernstfall passiert: Wird ein Signal aus dem All empfangen, gibt es klare Regeln - vom Check auf irdische Quellen bis zur Meldung an die UNO.
Bernd Watzka
07.12.2025, 07:03
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Ein Pieps aus dem All - und die Welt steht Kopf? Ganz so einfach ist es nicht. Sollte tatsächlich ein Signal von Außerirdischen empfangen werden, greift ein klarer Fahrplan. Verabschiedet hat ihn das SETI-Komitee („Search for Extraterrestrial Intelligence“), das seit 1984 für diesen Ernstfall zuständig ist.

Ausschließen, dass das Signal von Erde stammt

Zuerst gilt: Keine Panik, sondern prüfen! Der Entdecker muss mit allen verfügbaren Mitteln ausschließen, dass das Signal von der Erde stammt - etwa von einem Satelliten, Flugzeug oder einem technischen Gerät.

Ist der Ursprung weiter rätselhaft, sollen auch andere Forscher hinzugezogen werden. Öffentlich muss der Entdecker jedoch nur auf Medienanfragen reagieren - und zwar schnell und ehrlich.

UNO muss sofort informiert werden

Zur Einordnung wird das Signal dann auf der sogenannten Rio-Skala bewertet - von 1 („nicht wichtig“) bis 10 („außerordentlich wichtig“). Erst wenn sich herausstellt, dass das Signal wirklich von einer fremden Zivilisation stammt, kommt die große Info-Welle: Die UNO, die Internationale Astronomische Union und die globale Wissenschaftsgemeinde müssen umgehend informiert werden. Alle Daten sollen zudem öffentlich zugänglich sein.

Antworten an Aliens sind erlaubt

SETI rät außerdem, das Signal aufzuzeichnen, dauerhaft zu speichern und die Frequenz, auf der es empfangen wurde, bei der internationalen Fernmeldeunion schützen zu lassen - um Störungen zu vermeiden. Antworten an die Außerirdischen sind zwar erlaubt - aber nur mit UNO-Zustimmung.

Suche nach Signalen läuft seit Jahrzehnten

Einige wichtige Jahre für die Suche nach extraterrestrischen Nachrichten

  • US-Astronom Frank Drake führt mit dem Green Bank Telescope in West Virginia die erste systematische Suche nach außerirdischen Radiosignalen durch.
  • 1974 sendete das Arecibo-Observatorium eine dreiminütige Botschaft ins Weltall – Antwort: bisher ausgeblieben.
  • Die berühmten Voyager-Sonden von 1977 tragen bis heute Grußbotschaften der Menschheit per "Golden Record" durch den Kosmos.
  • 1977 wurde das berühmte, 72 Sekunden lange "Wow-Signal" aus dem Sternbild Schütze empfangen – ein Rätsel, das bis heute besteht.
  • 1999 begann ein weltweites Citizen-Science-Projekt, bei dem User freie Rechenleistung zur Analyse von Radiosignalen zur Verfügung stellen. Das Projekt lief bis 2020.
  • 2015: Start der "Breakthrough Listen"-Initiative. Es handelt sich um eine der bislang größten SETI-Initiativen mit einem Budget von 100 Mio. Dollar, unterstützt damals von Stephen Hawking und dem Milliardär Juri Milner.
  • 2019 registrierte ein australisches Teleskop ein starkes Signal aus Richtung Proxima Centauri – am Ende wohl doch irdischen Ursprungs.
  • 2022 wollten Forscher vom "Sky Eye"-Teleskop in China einen Treffer gelandet haben – der Bericht verschwand kurz darauf wieder aus dem Netz.

Zwischenbilanz nach 70 Jahren Alien-Suche

Ein aktuelles, im "International Journal of Astrobiology" veröffentlichtes Papier zum Thema Aliens-Suche kommt zum Schluss, der Hoffnung und Enttäuschung zugleich birgt: Wir haben zwar noch kein einziges Lebewesen außerhalb der Erde gefunden, aber den definitiven Nachweis erbracht, dass das Universum voll von den notwendigen Bausteinen ist, heißt es darin.

{title && {title} } bw, {title && {title} } 07.12.2025, 07:03
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen