OÖ-Delegation in Rumänien

"Balkanroute geschlossen" – so will die EU Asyl steuern

Eine OÖ-Delegation blickte in Rumänien auf Europas künftige Asylpolitik. An der EU-Außengrenze zeigt sich, wie bald strenger gesteuert werden soll.
Lea Strauch
27.04.2026, 03:00
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Drohnen am Himmel, Kameras entlang der Grenze, Patrouillen zu Land, zu Wasser und in der Luft: An der EU-Außengrenze in Rumänien zeigt sich schon jetzt, wie Europa Migration künftig steuern will. Mittendrin: eine Delegation aus OÖ rund um Integrationslandesrat Christian Dörfel (ÖVP).

Illegale Grenzübertritte massiv gesunken

Die Reise führte bewusst hierher. Rumänien gilt als Schlüsselland auf der Westbalkanroute – und als Beispiel dafür, wie der EU-Asylpakt, der ab Mitte Juni umgesetzt wird, funktionieren soll. An der Grenze zu Serbien zeigt sich das konkret: Über 500 Kilometer werden mit modernster Technik überwacht, die Zahl der illegalen Grenzübertritte ist unter anderem dadurch massiv gesunken – von 1.645 im Jahr 2022 auf 84 im Jahr 2025.

„Man kann sagen, dass die Balkanroute geschlossen ist.“
Christian Dörfel (ÖVP)OÖ-Integrationslandesrat

Die Eindrücke vor Ort seien "sehr überzeugend und mutmachend", sagt Dörfel. Rumänien habe "extrem aufgerüstet", was die Überwachung an der Grenze betrifft – und sei bereit, "Verantwortung für Europa zu übernehmen". Für ihn ist klar: "Man kann sagen, auch anhand der Zahlen, dass die Balkanroute geschlossen ist."

Das neue Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) tritt am 12. Juni 2026 in Kraft und bringt strengere Regeln für Asylverfahren in der EU. Vorgesehen sind verpflichtende Vorab-Screenings mit Sicherheits- und Gesundheitschecks sowie beschleunigte Verfahren direkt an den Außengrenzen, vor allem für Personen mit geringer Anerkennungschance, die dort bis zu zwölf Wochen festgehalten werden können. Ziel ist ein besserer Schutz der EU-Außengrenzen, schnellere Entscheidungen und raschere Rückführungen. Gleichzeitig soll ein Solidaritätsmechanismus für eine gerechtere Verteilung sorgen: Mitgliedsstaaten müssen entweder Asylsuchende aufnehmen oder finanziell beitragen. Zudem wird die Eurodac-Datenbank ausgebaut und die Zuständigkeiten innerhalb der EU klarer geregelt.

"Früher oder später landen sie in Österreich"

Warum das für OÖ so wichtig ist? "Wir sind zwar keine EU-Außengrenze, aber früher oder später landen sie in Österreich, weil Österreich natürlich ein Zielland ist", so der Integrationslandesrat. "Wenn weniger Personen kommen, noch dazu registriert, kann das für uns ein Vorteil sein."

Aus Rumänien könne die klare Botschaft senden, "dass die Grenzen sehr genau und wirksam überprüft werden". Für Dörfel sei das die Voraussetzung dafür, dass Integration gelingen kann: "Denn damit ist sichergestellt, dass nur die Personen nach Europa kommen, die tatsächlich Schutz vor Verfolgung benötigen." Vom GEAS erwartet sich Dörfel, "dass Rumänien nicht die Ausnahme ist, sondern dass alle EU-Außengrenzen in diesem Sinn überwacht werden".

Doch der Blick geht weiter als nur zur Grenze. In Temeswar besuchte die Delegation auch eine Asylunterkunft, die derzeit ausgebaut wird. In der Hauptstadt Bukarest standen Gespräche mit der Einwanderungsbehörde und der Grenzpolizei am Programm. Im Innenministerium traf die Delegation auch Staatssekretär Raed Arafat, der als Katastrophenschutz-Chef in Rumänien unter anderem für die Koordination bei großen Flüchtlingsbewegungen zuständig ist.

Verstanden sich sehr gut: der rumänische Staatssekretär Raed Arafat und OÖ-Integrationslandesrat Christian Dörfel (ÖVP).
"Heute"

"Wir werden Arbeitskräfte aus dem Ausland brauchen"

Die Reise nach Rumänien soll dabei nicht nur Einblick geben, sondern auch Konsequenzen haben: "Wir müssen effizienter werden, die Verfahren verkürzen und klarere Erwartungen formulieren", so Dörfel. Gleichzeitig brauche es Programme, die Menschen schneller in Arbeit bringen. Denn für ihn ist klar: "Wir werden Arbeitskräfte aus dem Ausland brauchen."

Entscheidend sei, die Systeme so zu schärfen, dass jene kommen, "die tatsächlich bereit sind, einen Beitrag zu leisten" – und damit die wirtschaftliche Entwicklung langfristig sichern. Der finale Eindruck der Reise: Die EU baut ihr Asylsystem gerade neu – und Oberösterreich will dabei nicht nur zuschauen, sondern nachschärfen.

{title && {title} } Lstr, {title && {title} } 27.04.2026, 03:00
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