"Spekulanten stoppen"

Baustellen-Horror – Mieter seit einem Jahr ohne Heizung

Während in der Paulusgasse Luxuswohnungen entstehen sollen, schlagen die Grünen Alarm und erheben schwere Vorwürfe gegen den Projektbetreiber.
15.10.2026, 12:51
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Beton, Bauschutt, Bohrmaschinen – in der Paulusgasse 5 herrscht Hochbetrieb. Im Dezember 2024 haben die Bauarbeiten begonnen. Seitdem ist für die Mieter nichts mehr wie es war. Es gibt kein Warmwasser, keine Heizung, keinen Starkstrom.

Betroffene haben sich bei den Grünen Wien gemeldet. Parteivorsitzende Judith Pühringer, Wohnsprecher Georg Prack und Siegrid Widhalm, Bezirksvorsteherin-Stellvertreterin in der Landstraße, machten nun auf die prekäre Lage der Mieter aufmerksam. "Wenn nicht langsam etwas passiert, dann werden wir immer öfter vor solchen Häusern wie hier stehen", sagen sie.

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Keine Heizung seit einem Jahr

Die ST 3 Paulusgasse GmbH (Gesellschaft der 3SI Immogroup) realisiert in der Paulusgasse ein Immobilienprojekt. 19 Appartements für Kurzzeitvermietung und 26 Eigentumswohnungen im hochpreisigen Segment sollen entstehen.

Vor einem Jahr waren acht Wohnungen langfristig bewohnt. Mittlerweile haben drei aufgegeben, fünf Mieter halten noch durch – doch wie lange, ist die Frage. Denn die Zustände seien "katastrophal". Seit einem Jahr haben sie kein Gas und damit auch keine Heizung und Warmwasser mehr. Auch Starkstrom ist nicht mehr vorhanden. Ebenso habe es Beschwerden wegen der Baustellensicherung gegeben. "Die Menschen sorgen sich. Es wird ihnen ein sichereres Zuhause weggenommen. Sie fühlen sich im Stich gelassen", sagt Widhalm.

Alles ganz anders?

Seitens der ST 3 Paulusgasse GmbH versteht man die Vorwürfe nicht. Es sei alles ganz anders. Mit den drei ausgezogenen Mietern habe man verhandelt, es wurden ihnen hohe Ablösen bezahlt, heißt es. In der Paulusgasse handle es sich um eine "gut geführte Baustelle", hält Geschäftsführer der ST 3 Paulusgasse GmbH, Christian Wagner fest.

Ein paar Wohnungen fallen durch das Projekt weg, gibt er zu. Aber: Nach dem Umbau gäbe es insgesamt mehr Wohnfläche als zuvor. Man habe außerdem 100.000 Euro für Provisorien wegen der abgedrehten Leitungen investiert, doch die Mieter seien "konstant nicht erreichbar". Laut seinen Schilderungen mache eine verbleibende Mieterin Probleme. Diese weigere sich, die Heizung umbauen zu lassen, denn das Haus soll künftig über eine Wärmepumpe versorgt werden. Dieser konkrete Fall liegt aktuell beim Bezirksgericht.

Grüne fordern "volle Härte"

Für die Grünen handelt es sich in der Paulusgasse trotzdem um ein klassisches Beispiel von Immobilienspekulation, wo die Mieter durch unzumutbare Umstände zum Auszug gedrängt werden sollen. Sie fordern mehr Schutz und "volle Härte gegen Immobilienhaie". "Die Stadt muss viel mehr tun, um Mieter:innen zu schützen und Spekulanten zu stoppen", so Pühringer.

Konkret sollen stadtbekannten Spekulanten die Häuser dauerhaft entzogen werden. Auch beim Thema Zwangsverwaltung sehen die Grünen Verbesserungsbedarf. Von dieser Möglichkeit solle öfters und konsequenter Gebrauch gemacht werden. Die Grünen schlagen auch vor, die Baupolizei und die Mieterhilfe mit mehr Personal auszustatten, um rasche Entscheidungen in Mietrechtsangelegenheiten zu gewährleisten. Abrisse sollen bei allen bestehenden Gebäuden  bewilligungspflichtig werden – nicht wie bisher nur bei Gebäuden die vor 1945 errichtet wurden. Außerdem schlagen die Grünen eine Aufstockung des Altstadterhaltungsfonds vor; dessen Dotierung wurde 2026 ausgesetzt.

HTM, Akt. 15.10.2026, 12:57, 15.10.2026, 12:51