Mit einem Bericht über sogenannte "Modest Fashion" hat der Bayerische Rundfunk eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Im Zentrum steht die Frage, ob stark verhüllende Kleidung lediglich ein Modetrend ist oder ob dabei gesellschaftliche und religiöse Hintergründe zu wenig berücksichtigt werden.
Der Beitrag beginnt mit Szenen sommerlicher Kleidung wie Bikinis und kurzen Hosen. Dazu heißt es, viele Frauen würden im Sommer mehr Haut zeigen und dadurch Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Anschließend richtet sich der Fokus auf Hidschabs, Kopftücher und weit geschnittene Kleidung.
Der BR beschreibt die Entwicklung als "Ein Gegentrend, 'Modest Fashion'. Mode, die weniger Haut zeigt und den Körper größtenteils bedeckt."
Für den Bericht besuchte das Team einen Shop in Nürnberg, der sich auf entsprechende Kleidung spezialisiert hat. Die Geschäftsinhaber Selda Dastan und ihr Mann Ahmed sprechen über ihre Sichtweise auf bedeckende Kleidung und deren Bedeutung im islamischen Glauben.
Für Aufsehen sorgt dabei insbesondere eine Aussage von Ahmed. Er zieht einen Vergleich zwischen Frauen und Mobiltelefonen. "Was wichtig ist, muss auch geschützt werden", sagt er. "Eine Frau ist auch sehr wichtig mit allen Körperteilen. Sie sollte kein Objekt für andere Männer sein."
Im weiteren Verlauf kommt auch eine Kundin zu Wort, die nicht muslimischen Glaubens ist. Der Beitrag betont, dass der Stil mittlerweile über religiöse Gemeinschaften hinaus Interesse wecke.
"Ich war neugierig, was hier Neues entsteht. Und jetzt bin ich noch mehr erfreut, dass diese Sachen auch für mich tragbar sind. Weil ich ja keine kulturelle Aneignung betreiben will, sondern auch etwas für mich haben möchte. Haut zeige ich in meinem Alter ohnehin nicht mehr so viel", sagt Barbara Schmidt.
Zudem wird im Beitrag erklärt, dass die Bewegung von muslimischen und jüdischen Designerinnen geprägt worden sei und mittlerweile auch Frauen anspreche, die Kleidung als Ausdruck ihres Selbstbewusstseins sehen.
Genau diese Darstellung sorgt jedoch für Kritik. Gegner der Berichterstattung verweisen darauf, dass Frauen in einigen Ländern unter Druck stehen oder gesetzlich verpflichtet sind, bestimmte Kleidungsvorschriften einzuhalten. Sie werfen dem Sender vor, diesen Aspekt im Beitrag nicht ausreichend zu beleuchten.