Dann kam das Angebot

Bewerber schweigt zum Gehalt und erlebt Überraschung

Ein Bewerber wollte den Arbeitgeber zuerst ein Gehalts-Angebot machen lassen. Das Ergebnis machte ihn beinahe sprachlos.
Digital  Heute
23.09.2026, 17:12
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Was passiert, wenn ein Bewerber im Vorstellungsgespräch bewusst keine Gehaltsvorstellung nennt? Genau das wollte ein Nutzer aus dem Subreddit r/Gehalt herausfinden. Er berichtet von seiner Bewerbung bei einem kleinen Deep-Tech-Unternehmen im Südwesten Bayerns und bezeichnet seinen Beitrag selbst als Experiment.

Das Unternehmen ist laut seiner Schilderung auf Maschinenbau spezialisiert und befindet sich in einer Wachstumsphase. Die Anlagen würden pro Stück rund 500.000 Euro kosten, einzelne Aufträge lägen im einstelligen Millionenbereich. Gesucht wurde ein internationaler Key Account Manager mit fünf bis sieben Jahren Berufserfahrung im B2B-Vertrieb sowie einem Hintergrund im Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen.

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Die Anforderungen hatten es allerdings in sich. Vorgesehen waren laut Bewerber 50 bis 70 Prozent internationale Reisetätigkeit. Dazu kam eine Vertrauensarbeitszeit mit rund 50 bis 60 Stunden pro Woche – ausdrücklich ohne die Reisezeit. Der Bewerber hielt sich nach eigenen Angaben in allen drei Gesprächsrunden mit einer Gehaltsforderung zurück. Er erklärte stattdessen, dass er vor allem eine spannende Aufgabe suche und sich über ein faires Angebot freue. Die Stelle bekam er offenbar. Dann kam der entscheidende Moment.

Seine Vorstellung: 90.000 Euro plus Bonus

Bevor das konkrete Angebot veröffentlicht wurde, fragte der Nutzer die Reddit-Gemeinde, was sie vermute. Anschließend legte er seine eigene Vorstellung offen. Er hatte mit 90.000 Euro Fixgehalt und zusätzlich 15.000 bis 20.000 Euro variabler Vergütung gerechnet. Insgesamt wären das also rund 105.000 bis 110.000 Euro Jahresbrutto gewesen. Das Unternehmen bot ihm dagegen 64.000 Euro fix und 13.000 Euro variabel.

Damit lag das Gesamtpaket bei maximal 77.000 Euro und damit je nach Bonus rund 28.000 bis 33.000 Euro unter seiner eigenen Vorstellung. Beim Fixgehalt betrug der Abstand sogar 26.000 Euro. Für den Bewerber war damit die Sache erledigt. Er teilte dem Unternehmen nach eigener Darstellung höflich mit, dass das Angebot zu niedrig sei, und bedankte sich für die Gespräche. Sein eigentliches Experiment hatte damit aber erst begonnen.

In den Kommentaren wird zunächst eine Frage immer wieder gestellt: Warum hat der Bewerber nicht selbst eine Gehaltszahl genannt? Ein Teil der Nutzer argumentiert, er hätte bereits in der zweiten oder spätestens dritten Runde einen eigenen Anker setzen sollen. In der Verhandlung bezeichnet ein "Anker" die erste konkrete Zahl, an der sich die folgenden Angebote und Gegenforderungen orientieren. Wer beispielsweise 100.000 Euro nennt, startet die Verhandlung von einer völlig anderen Ausgangslage als jemand, der auf eine Zahl des Unternehmens wartet.

Andere Nutzer verstehen die Strategie des Bewerbers. Sie sehen gerade in der großen Differenz zwischen Wunsch und Angebot den interessanten Teil des Experiments. Der Bewerber wollte wissen, welchen Wert das Unternehmen seiner Erfahrung und der anspruchsvollen Position von sich aus beimisst. Das Ergebnis war für ihn ernüchternd. Er schreibt sinngemäß, dass er dem Unternehmen eine faire Chance gegeben habe, selbst ein Angebot zu machen. Wenn dieses Angebot dann deutlich unter seiner Vorstellung liege, stelle sich für ihn auch die Frage, wie die Zusammenarbeit später aussehen würde.

50 bis 60 Stunden plus Reisen

Besonders kontrovers diskutieren die Reddit-Nutzer die Arbeitszeit. Die ausgeschriebene Stelle soll laut dem Bewerber eine Vertrauensarbeitszeit von etwa 50 bis 60 Stunden pro Woche vorsehen. Internationale Reisen seien dabei noch nicht eingerechnet. Mehrere Nutzer rechnen deshalb vor, dass die tatsächliche Belastung erheblich höher ausfallen könnte. Wer beispielsweise mehrere Tage pro Woche unterwegs ist, verbringt zusätzlich viel Zeit in Flugzeugen, Zügen oder Autos.

Genau deshalb halten einige Kommentatoren bereits die ursprüngliche Gehaltsvorstellung des Bewerbers für nicht besonders hoch. Andere Nutzer nennen deutlich höhere Summen, die sie bei einer solchen Kombination aus Verantwortung, Reisetätigkeit und Arbeitszeit erwarten würden. Diese Zahlen sind allerdings Einschätzungen der Reddit-Nutzer und keine objektive Marktvergütung für die konkrete Stelle.

Rechtlich ist bei der Arbeitszeit außerdem eine wichtige Unterscheidung nötig. In Deutschland gilt grundsätzlich das Arbeitszeitgesetz. Das BMAS erklärt, dass die tägliche Arbeitszeit grundsätzlich auf acht Stunden begrenzt ist und auf bis zu zehn Stunden verlängert werden kann, wenn innerhalb des vorgesehenen Ausgleichszeitraums der Durchschnitt von acht Stunden werktäglich eingehalten wird. Auch bei Vertrauensarbeitszeit gelten diese Schutzvorschriften.

Seit der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2022 müssen Arbeitgeber zudem die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten erfassen. Vertrauensarbeitszeit bleibt möglich, bedeutet also nicht, dass Arbeitszeiten einfach nicht dokumentiert werden müssen.

Ob das konkret beschriebene Arbeitszeitmodell des Unternehmens rechtmäßig wäre, lässt sich aus dem Reddit-Beitrag allein allerdings nicht beurteilen. Dafür wären unter anderem der genaue Arbeitsvertrag, die tatsächliche Arbeitszeit, Ausgleichsregelungen und die konkrete Ausgestaltung der Reisen entscheidend.

Plötzlich sind auch die Firmenautos ein Thema

Eine weitere Information aus dem Beitrag sorgt für Diskussionen. Der Bewerber schreibt in den Kommentaren, dass der Geschäftsführer einen BMW M5 und einen Audi RS6 fahre. Für einige Reddit-Nutzer passt dieses Bild nicht zum Gehaltsangebot. Sie fragen sich, warum ein Unternehmen offenbar Geld für einen entsprechend ausgestatteten Fuhrpark ausgibt, gleichzeitig aber bei einer wichtigen Vertriebsposition vergleichsweise wenig Gehalt anbietet. Andere halten diesen Zusammenhang für zu simpel. Ein Firmenwagen oder das Privatfahrzeug eines Geschäftsführers sage schließlich nichts darüber aus, wie hoch das Budget für eine bestimmte Stelle sei. Für den Bewerber spielt der Punkt trotzdem eine Rolle.

Er schreibt, dass ihm angesichts des Angebots die Lust auf die Stelle vergangen sei. Zumal neben dem niedrigeren Fixgehalt offenbar auch kein Dienstwagen Bestandteil des Angebots gewesen wäre. Die Kommentare gehen bei der Bewertung des Experiments weit auseinander. Einige Nutzer werfen dem Bewerber vor, die Situation selbst verursacht zu haben. Wer seine Gehaltsvorstellung nicht nennt, dürfe sich nicht wundern, wenn ein Unternehmen zunächst versucht, möglichst günstig einzusteigen. Andere sehen gerade darin den Vorteil des Experiments. Der Bewerber habe damit herausgefunden, wie weit die Vorstellungen auseinanderliegen, ohne selbst zuerst eine Zahl auf den Tisch zu legen.

Ein weiterer Einwand lautet, dass man eine Differenz von mehr als 25.000 Euro beim Fixgehalt ohnehin kaum noch vernünftig verhandeln könne. Selbst wenn das Unternehmen nachbessere, müsste es einen erheblichen Sprung machen. Andere Nutzer sehen dagegen durchaus noch Verhandlungsspielraum. Wenn das Unternehmen den Bewerber nach drei Gesprächsrunden tatsächlich einstellen wolle, könne es schließlich ein höheres Angebot machen. Der Bewerber selbst hat daran offenbar wenig Interesse. Er erklärt, dass er keine Lust darauf habe, später ständig um bessere Bedingungen kämpfen zu müssen. Für ihn sei die Höhe des Einstiegsangebots deshalb auch ein Hinweis darauf, wie das Unternehmen seine Leistung bewertet.

Der interessante Punkt liegt nicht nur beim Geld

Die Diskussion dreht sich deshalb schnell um eine grundsätzliche Frage: Was sagt ein erstes Gehaltsangebot über ein Unternehmen aus? Eine eindeutige Antwort gibt es darauf nicht. Unternehmen können unterschiedliche Gehaltsbänder haben, während Bewerber wiederum unterschiedliche Vorstellungen vom Wert ihrer Arbeit haben. Auch variable Vergütung, Boni, Firmenwagen, Urlaub, Arbeitszeit und andere Zusatzleistungen können ein Gesamtpaket verändern. Im konkreten Fall fällt allerdings auf, wie weit die beiden Seiten auseinanderliegen. Der Bewerber erwartete 90.000 Euro Fixgehalt plus Bonus. Das Unternehmen bot 64.000 Euro fix und 13.000 Euro variabel.

Der Abstand war damit so groß, dass der Bewerber nicht einmal in eine längere Verhandlung einstieg. Für die Reddit-Community ist genau das der spannende Teil des Experiments. Der Nutzer wollte wissen, was passiert, wenn man einem Unternehmen beim Gehalt völlig freie Hand lässt. Die Antwort bekam er nach drei Gesprächsrunden schwarz auf weiß. Seine Lehre daraus fällt entsprechend eindeutig aus: Wer seine Gehaltsvorstellung verschweigt, kann zwar sehen, welchen Wert der Arbeitgeber von sich aus ansetzt. Gleichzeitig gibt man aber auch die Möglichkeit aus der Hand, früh selbst einen Gehaltsanker zu setzen.

Ob das Experiment für andere Bewerber sinnvoll ist, hängt damit vor allem von ihrer Verhandlungsstrategie und ihrer Ausgangslage ab. Im konkreten Fall hat es jedenfalls eine erhebliche Differenz sichtbar gemacht – und einen Job verhindert, der fachlich zunächst sehr gut zu passen schien.

red,23.09.2026, 17:12