Klagt über "Ungerechtigkeit"

"Bin geschockt" – Transmann wird in Heimat abgeschoben

Der Kolumbianer (22) wurde wegen eines negativen Asylbescheids am Ostersonntag geschnappt und nach Bogotá ausgeflogen. Er spricht von einem Schock.
Niederösterreich Heute
12.04.2026, 19:53
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Am Ostersonntag in den frühen Morgenstunden rissen Fremdenpolizisten den Transgender-Mann (22) aus seinem Bett, das er mit seinem österreichischen Ehemann teilte. Der kolumbianische Staatsbürger, der als Mädchen zur Welt kam und sich mitten in seiner Transformation zum Mann befindet, wurde von vier Beamten aus einer Wohnung im südlichen Niederösterreich geholt – sein Asylbescheid negativ. Für ihn sei die Sache eine einzige "Ungerechtigkeit".

Völlig auf sich gestellt, musste der 22-Jährige eine Nacht in einer Zweimannzelle in Schubhaft verbringen, bevor es im Flieger über Frankfurt nach Bogotá ging – in ein Land, in dem sich Transgenderpersonen nicht so einfach ausleben können, wie in Europa. "Ich wurde wie eine Kriminelle behandelt, obwohl ich nichts getan habe", klagt er gegenüber "Heute".

Zu essen gab es für ihn nur hartgekochte Eier und Brot, dann habe er sich vor Beamten nahezu nackt ausziehen müssen – für den Neo-Mann eine besonders unangenehme Erfahrung: "Ich habe mich noch nie so gedemütigt gefühlt", schreibt er später in seinem Gedächtnisprotokoll.

"Ohne Geld, ohne Hilfe"

Mit so gut wie keinem Gepäck, "allein, ohne Geld und ohne Hilfe" kam er in Kolumbiens Hauptstadt an, wurde dann zurückgelassen. Die Weiterreise in die 1.000 Kilometer entfernte Küstenstadt – die er vor zweieinhalb Jahren noch als Frau verlassen hatte – musste er sich erst organisieren, die Nacht angsterfüllt am Flughafen verbringen.

Auch bei seinem österreichischen Ehemann sitzt der Schock nun tief. Gemeinsam mit seiner Mutter hatte er lange für den Verbleib seines Lebensmenschen gekämpft. Vergeblich versuchten sie, den gültigen Abschiebebescheid vom OGH über das BBU (Beratung und Betreuung für Asylwerber, anerkannte Flüchtlinge sowie Migranten), den Verfassungs- und Verwaltungsgerichtshof zu bekämpfen.

"Ich hätte nie gedacht, dass mein Land so mit einem Menschen umgehen kann", ist er am Boden zerstört, sagt: "Ich vermisse meinen Mann sehr." Das Innenministerium bestätigte auf "Heute"-Anfrage die Abschiebung eines kolumbianischen Staatsbürgers am Ostersonntag auf Basis rechtskräftiger Rechtsprechung. Innenminister Karner (VP) verfolgt bekanntlich einen knallharten Asylkurs.

Die Schwiegermutter des Betroffenen wittert allerdings einen Behörden-Skandal: "Als Sozialarbeiterin sehe ich oft, wer bleiben darf – und wer nicht. Das macht mich extrem wütend auf dieses System." Wann und wo und ob sich ihr Sohn und dessen Partner wiedersehen, ist unklar…

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