Tierisch kleines Wunder

Einzigartig! Kleines Säugetier lebt am allerhöchsten

Die Blattohrmaus überlebt als höchst lebendes Säugetier der Welt in extremer Höhe – dank einzigartiger genetischer Anpassungen.
Heute Tierisch
10.07.2026, 10:19
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Im Februar 2020 haben Forscher der University of Nebraska den Gipfel des Vulkans Llullaillaco erklommen. Der liegt zwischen Argentinien und Chile und ist 6.739 Meter hoch. Dort oben haben sie eine kleine Maus entdeckt – eine Blattohrmaus, um genau zu sein (Phyllotis vaccarum). So ein Fund ist eine Sensation: Noch nie zuvor wurde ein Säugetier in so einer Höhe gesichtet.

Damit hat die Anden-Blattohrmaus dem Großohr-Pfeifhasen aus dem Himalaja den Weltrekord abgenommen. Der Pfeifhase war bislang das höchst lebende Säugetier, mit einer bestätigten Sichtung auf 5.182 Metern und Berichten über einen Fund auf 6.130 Metern, wie orf.at berichtet.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Die Entdeckung wirft viele Fragen auf. Denn das Gebiet rund um den Llullaillaco gilt als extrem lebensfeindlich. Die Landschaft auf der Grenze zwischen Argentinien und Chile ist rau und erinnert an eine Mondlandschaft. Fast das ganze Jahr über bleibt die Temperatur am Gipfel unter null Grad. Der Luftdruck ist so niedrig, dass jeder Atemzug nur etwa 44 Prozent des Sauerstoffs liefert, den du auf Meereshöhe bekommst. Selbst erfahrene Bergsteiger halten es dort nicht lang aus. Für Menschen ist ein dauerhaftes Überleben unmöglich.

Umso erstaunlicher ist es, dass die Blattohrmaus dort oben ihr Leben meistert. Wie sie das schafft und welche Anpassungen dafür nötig waren, hat ein US-Forschungsteam rund um die Bioinformatikerin Liphardt Schuyler im Fachmagazin "Science" beschrieben.

Die Wissenschaftler haben das Erbgut von Blattohrmäusen aus 4.260 Metern Höhe mit jenem von Artgenossen aus tieferen Lagen (1.420 Meter) verglichen. Zusätzlich haben sie Mäuse einer verwandten Art aus 620 Metern untersucht. Im Labor wurden die Tiere Kälte und Sauerstoffmangel ausgesetzt, um zu sehen, wie sie Wärme erzeugen. Diese sogenannte Thermogenese hilft Säugetieren und Vögeln, ihre Körpertemperatur unabhängig von der Umgebung zu halten.

Beim "Llullaillaco" handelt es sich um einen Vulkan in Argentinien.
iStock©adrian gallardo

Das Ergebnis: Die Hochlandmäuse nehmen deutlich mehr Sauerstoff auf als ihre Verwandten aus dem Tal. Ihre Wadenmuskeln erzeugen mehr Wärme, und die Enzyme in den Mitochondrien – das sind die Kraftwerke der Zellen – sind aktiver. Die Wärmeproduktion klappt besonders gut durch Muskelzittern. Außerdem ist ihr braunes Fettgewebe aktiver, wodurch mehr Energie sofort in Wärme umgewandelt werden kann.

Normalerweise würden Tiere in dieser Höhe eher Kohlenhydrate verbrennen, weil das mit weniger Sauerstoff funktioniert. Die Hochlandmaus macht es aber anders: Sie setzt auf die Verbrennung von Fetten, was eigentlich mehr Sauerstoff braucht. Möglich wird das durch spezielle genetische Anpassungen. Die Mäuse nehmen zwar weniger Sauerstoff auf, können ihn aber viel besser nutzen. So schaffen sie es, auch bei Eiseskälte und wenig Sauerstoff genug Energie zu gewinnen, um nicht zu erfrieren.

Kennst du auch den Nördlichen Pfeifhasen? Klick dich durch:

Auch wenn sich Blattohrmäuse aus hohen und tiefen Regionen oft mischen und Gene austauschen, sind die Hochlandmäuse bestens an den Sauerstoffmangel angepasst. Die natürliche Auslese sorgt dafür, dass sich jene Gene durchsetzen, die in der dünnen Luft einen Vorteil bringen.

Doch die Anden-Blattohrmaus hat noch eine weitere "Superkraft". Die Studie zeigt: Sowohl bei Hochland- als auch bei Tieflandmäusen werden Gene weitergegeben, die für die Entgiftung von Umwelt- und Nahrungsstoffen zuständig sind. Welche Variante dieser Gene weitervererbt wird, hängt von der Höhenlage ab – die Mäuse passen sich an ihre Umgebung an.

Das deutet darauf hin, dass die Blattohrmaus regelmäßig größere Mengen an Giftstoffen aufnimmt – vielleicht über ihre Nahrung oder durch vulkanische Ablagerungen in der Gegend. Beweisen lässt sich das bisher aber nicht. Noch ist unklar, wovon sich die Mäuse oberhalb der Vegetationsgrenze überhaupt ernähren. Das letzte Rätsel um die Blattohrmaus bleibt also vorerst ungelöst.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 10.07.2026, 10:27, 10.07.2026, 10:19
Jetzt E-Paper lesen