Einen Tag nach dem tödlichen Angriff am Friedhof Baumgarten hat "Heute" vor Ort einen Lokalaugenschein gemacht. Dort, wo am Montag (23. Februar) eine 64-jährige Frau getötet wurde, ist der Bereich wieder zugänglich. Eine 14-Jährige gilt als dringend tatverdächtig, für sie gilt die Unschuldsvermutung.
Die Absperrung wirkt provisorisch, ein Stück Flatterband hängt seitlich am Weg. Am Boden sind noch Blutspuren zu sehen – nur wenige Meter von einem Kiesweg entfernt. Besucher gehen daran vorbei, manche langsamer, andere mit gesenktem Blick.
Ein 92-jähriger Wiener kommt wie seit Jahrzehnten regelmäßig zum Grab seiner Eltern. Von der Tat weiß er bis zu diesem Moment nichts. Als "Heute" ihn darauf anspricht, bleibt er abrupt stehen. "Wie bitte? Hier am Friedhof?" fragt er und schaut ungläubig über die Grabreihen.
Dann fasst er sich plötzlich ans Herz, fast reflexartig, als habe ihn die Nachricht körperlich getroffen. "Das … das hab’ ich nicht gewusst", sagt er und schüttelt langsam den Kopf. "Man kommt ja her, um seine Ruh’ zu haben. Und dann passiert genau hier sowas." Seine Stimme wird leiser. "Das ist schon ein Schock."
Eine Blumenhändlerin, deren Geschäft direkt neben dem Friedhof liegt, hat die Tat selbst nicht gesehen. Aber sie geht fast täglich über das Gelände. "Und genau das ist das Ungute", sagt sie. "Ich bin da jeden Tag unterwegs."
Was sie besonders beschäftigt: "Bei all dem, was man täglich in Österreich hört, hat man schon Angst, wenn man rausgeht." Sie versuche bewusst, sich nicht hineinsteigern zu lassen. "Ich kämpfe dagegen an. Man darf sich ja nicht verrückt machen." Trotzdem merke sie, dass sich etwas verändert habe. "Seit gestern schaut man einfach genauer hin."
Die Gärtnerin Maureen A. (51), deren Geschäft direkt neben dem Friedhof liegt, reagiert besonders auf das Alter der Tatverdächtigen. "Mit 14? Das ist ja eigentlich noch ein Kind", sagt sie und schüttelt den Kopf. "Dass so ein junges Mädel zu so etwas fähig sein soll … das ist wirklich schwer zu begreifen."
Sie bekomme viel mit, sagt sie, weil ihr Geschäft unmittelbar angrenzt. "Man rechnet ja mit vielem, aber doch nicht mit sowas – und schon gar nicht in dem Alter." Sie erzählt von eigenen Erfahrungen mit Jugendlichen, die bei ihr Sachschaden angerichtet hätten. "Da fragt man sich schon, was da los ist." Für sie steht fest: "Es hat sich etwas verändert. Und das merkt man auch hier."
Während Besucher Kerzen anzünden und Gräber pflegen, bleibt die Stelle der Tat sichtbar. Kein Sichtschutz, keine großflächige Abschirmung – nur ein Band und die Spuren am Boden erinnern an das, was hier passiert ist.
Die Ermittlungen laufen weiter. Doch beim Rundgang von "Heute" wird klar: Der Friedhof ist zugänglich. Doch die Tat von gestern ist noch überall spürbar.