Praxis versiegelt

Botox, Beschneidungen – falscher Arzt in Wien entlarvt

Bei einer Kontrolle in einer Arztpraxis in Favoriten flog ein Mann auf, der seit über zehn Jahren ohne Berechtigung Patienten behandelt haben soll.
21.10.2026, 09:48
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Botox-Behandlungen, Beschneidungen und Medikamente, die in der EU gar nicht zugelassen sind: Bei einer Schwerpunktkontrolle in einer Arztpraxis in Wien-Favoriten machten die Behörden am Dienstag (20. Oktober) erschreckende Entdeckungen.

Die Zustände waren derart gravierend, dass die gesamte Ordination behördlich versiegelt und sogar die Türschlösser ausgetauscht wurden. Besonders brisant: Im Zuge der Kontrolle erhärtete sich der Verdacht, dass ein Mann weiterhin Patienten behandelte, obwohl er seit mehr als zehn Jahren nicht mehr zur Ausübung des ärztlichen Berufs berechtigt ist. Das Angebot reichte von Botox-Behandlungen bis hin zu Beschneidungen.

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Abgelaufene Spritzen und Medikamente

Zudem soll der Mann den Arztstempel eines anderen Mediziners missbräuchlich verwendet haben. Dieser hatte sich erst vor Kurzem an dem Standort niedergelassen. Doch damit nicht genug: In der Praxis für Allgemeinmedizin stießen die Kontrolleure auf gravierende Hygienemängel. Sie fanden abgelaufene Medikamente und Spritzen sowie bereits geöffnete, unsachgemäß gelagerte Medikamentenfläschchen.

Auch Arzneimittel, die in der Europäischen Union gar nicht zugelassen sind, wurden entdeckt und beschlagnahmt. Besonders bedenklich: Medikamente wurden in einem unversperrten Rollcontainer direkt im Wartebereich aufbewahrt – und waren damit für anwesende Personen frei zugänglich.

Medikamente wurden in einem unversperrten Rollcontainer direkt im Wartebereich aufbewahrt.
Gruppe Sofortmaßnahmen

Steckdosen aus Wand gerissen

Auch um die Sicherheit der Patienten war es offenbar schlecht bestellt. Die gesetzlich vorgeschriebene medizinische Notfallausrüstung fehlte vollständig. Für mehrere Geräte, darunter ein Elektrokardiogramm (EKG), konnten keine Nachweise über vorgeschriebene Überprüfungen vorgelegt werden.

Zusätzlich entdeckten die Kontrolleure bedenkliche elektrische Verkabelungen und Steckdosen, die teilweise aus der Wand gerissen waren. Im Zuge der Erhebungen wurde außerdem ein Fall von Schwarzarbeit sowie ein unrechtmäßiger Bezug von Leistungen aus der Wiener Mindestsicherung festgestellt.

Polizei ermittelt wegen schweren Betrugs

An der Schwerpunktkontrolle unter Leitung der Gruppe Sofortmaßnahmen waren neben mehreren Magistratsabteilungen auch die Wiener Polizei, die Ärztekammer für Wien und die Österreichische Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin (ÖQMed) beteiligt.

Seitens des Magistrats wurden zahlreiche Anzeigen nach dem Ärztegesetz erstattet. Die Wiener Polizei erstattete zudem Anzeigen wegen des Verdachts des schweren Betrugs. Aufgrund der Vielzahl und Schwere der Missstände wurde die gesamte Ordination behördlich versiegelt. Um eine weitere Nutzung zu verhindern, ließen die Behörden auch die Türschlösser austauschen.

"Vertrauen darf niemals missbraucht werden"

"Ärztinnen und Ärzte leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Sie genießen das Vertrauen der Menschen, weil es um das Wertvollste geht, das wir haben: unsere Gesundheit. Wenn Menschen medizinische Hilfe suchen, müssen sie sich darauf verlassen können, in sicheren Händen zu sein. Dieses Vertrauen ist das Fundament unseres Gesundheitssystems und darf niemals missbraucht werden", stellt Walter Hillerer, Leiter der Gruppe Sofortmaßnahmen klar.

red, 21.10.2026, 09:48