Buckelwal "Timmy" lässt längst nicht mehr nur Europäer den Atem anhalten - mittlerweile fiebert die ganze Welt mit dem sterbenden Meeressäuger mit.
Psychologe Stephan Grünewald zieht einen biblischen Vergleich: "Es gibt ja diese Parabel von Jonas, der im Bauch eines Wals landet, aber nicht wie vom Hai zerfetzt, sondern wieder ausgespuckt wird. Und damit hat der Wal als Sinnbild für Mutter Natur wirklich auch eine fürsorgliche, eine mütterliche Seite."
„Der Wal erinnert uns, dass wir alle Kinder von Mutter Natur sind. Darum fühlen wir uns der Natur und dem Wal verbunden und hoffen, ihn auch wieder flottmachen zu können“Stephan GrünewaldPsychologe, Rheingold-Institut
In einer zweiten Dimension sieht der Marktforscher den Buckelwal als "Schicksal-Analogie unseres eigenen Lebens". Viele Menschen hätten das Gefühl, "im falschen Fahrwasser" zu sein. "Das ganze Land ist mittlerweile in einem Zustand der Manövrierunfähigkeit." Die Leute würden sich festgefahren und ohnmächtig fühlen. Der Wal stehe somit als Gleichnis "für unsere eigene Befindlichkeit", sagt Grünewald. "Das erklärt auch diese immense Hoffnung: Wenn wir den Wal flott machen, dann machen wir uns und unser Land auch wieder flott."
Solche Bilder wünschen wir uns natürlich auch mit Timmy:
Warum sich im Internet so viele mit dem Meeresriesen solidarisieren und seine Rettung fordern, erklärt Physiker Holm Hümmler damit, dass der Wal im Laufe der Jahre zum Symbol für Umweltschutz geworden ist.
Im Kampf gegen den Walfang hätten große Organisationen "das Leben von einzelnen Walen sehr stark emotionalisiert", erklärt Hümmler weiter. "Leute, die ihr Leben riskiert haben, um Walfang zu stören, sind sehr positiv bewertet worden und haben Heldenstatus erlangt." Jetzt versuchen Einzelpersonen, sich dieses positive Image zu holen, indem sie sich ebenfalls für das Tier einsetzen.
Der gestrandete Wal steht für viele Beobachter für "Ruhe und Friedfertigkeit". Hümmler kann das aus seinen eigenen Walbeobachtungen nicht ganz nachvollziehen. Buckelwale könnten sich auch ganz anders verhalten, als das gestrandete Tier es derzeit tut. Sein Schicksal lasse sich "überhaupt nicht" mit denen der Wale vergleichen, um die es vor vielen Jahren einmal ging, sagt Hümmler deutlich.