Wer derzeit am Strand von Jesolo an der italienischen Adria spazieren geht, bekommt einen ungewöhnlichen Anblick geboten. Wo im Sommer Tausende Urlauber auf ihren Liegen entspannen, sind jetzt schwere Baumaschinen unterwegs. Bagger schieben den Sand zu riesigen Wällen zusammen und verändern damit das vertraute Bild des beliebten Urlaubsortes.
Ein aktuelles Facebook-Video von "Jesolo Tourism" zeigt die Arbeiten am Strand. Doch keine Sorge: Der Sand verschwindet nicht. Er wird für die kalte Jahreszeit umgeschichtet – und das aus gutem Grund.
"Es ist wieder die Zeit des Jahres gekommen, in der sich an unserem Strand die Düne erhebt – als Vorbereitung auf den Winter und das Hochwasser", erklärt die Tourismusorganisation zu den Aufnahmen.
Hintergrund sind die Herbst- und Winterstürme an der Oberen Adria. Starker Wind und hohe Wellen können große Mengen Sand abtragen und ins Meer spülen.
Dagegen soll die künstliche Düne helfen. Die Bagger türmen Sand zu einem Schutzwall auf, der die Wucht der Wellen abschwächen und verhindern soll, dass zu viel Sand verloren geht. Für Jesolo ist das nichts Neues. Die Arbeiten gehören seit Jahren zur Vorbereitung auf die Wintersaison.
Dass der Schutz notwendig ist, zeigte sich bereits in der vergangenen Woche. Am 21. Oktober traf eine erste Herbststurmflut die Küstenabschnitte von Jesolo und Caorle. Besonders betroffen war in Jesolo der Strandbereich Pineta.
Dort spülten die Wellen Sand weg und erreichten stellenweise sogar die Standorte der Rettungsschwimmer. In manchen Bereichen entstand durch die Erosion eine mehr als einen halben Meter hohe Sandkante.
Die Betreiber der Strandabschnitte haben deshalb bereits mit den Schutzarbeiten begonnen. Nach den aktuellen Planungen sollen die künstlichen Dünen entlang des rund 15 Kilometer langen Strandes errichtet werden.
Für Urlauber gibt es eine gute Nachricht: Die großen Sandhügel bleiben nicht dauerhaft bestehen. Im Frühling kommen die Baumaschinen erneut zum Einsatz. Dann wird der aufgeschüttete Sand wieder verteilt, um den Strand für die nächste Badesaison herzurichten.
Die künstlichen Dünen dienen damit nicht nur als Schutzwall, sondern auch als Sandreserve. Gerade für Jesolo, einen der beliebtesten italienischen Badeorte bei österreichischen Urlaubern, ist der Erhalt des Strandes von großer Bedeutung.
Die winterlichen Schutzdünen sind allerdings nur ein Teil der Maßnahmen gegen die zunehmende Küstenerosion.
Die Stadt arbeitet auch an längerfristigen Lösungen. Dazu gehören zusätzliche Sandaufschüttungen und geplante Unterwasserbarrieren, die den Wellengang abschwächen sollen. Besonders im östlichen Abschnitt Pineta ist der Sandverlust seit Jahren ein Problem.
Bis umfassendere Schutzmaßnahmen umgesetzt werden können, setzt Jesolo weiter auf die bewährten künstlichen Dünen. Was jetzt wie eine riesige Baustelle aussieht, soll also dafür sorgen, dass im kommenden Sommer wieder ausreichend Sand für Sonnenschirme, Liegen und Badegäste vorhanden ist.