Großer Ärger rund um eines der bekanntesten Aushängeschilder der Stadt Wien: Das städtische Weingut Cobenzl steht wegen seines "Bioweins" massiv unter Beschuss. Recherchen des "Kurier" bringen brisante Details ans Licht.
Noch vor zwei Jahren hatte das Weingut stolz verkündet, vollständig auf Bio umgestellt zu haben. Doch diese Erfolgsmeldung wackelt nun gewaltig. Denn offenbar wurde 2024 auf rund der Hälfte der Rebflächen am Bisamberg gar nicht biologisch gearbeitet. Konkret sollen etwa 30 der insgesamt 60 Hektar weiterhin konventionell, also mit chemischen Hilfsmitteln, bewirtschaftet worden sein.
Bestätigt wurde das ausgerechnet von der zuständigen städtischen Abteilung MA 49. Dort heißt es wörtlich: "Im Jahr 2024 wurden aus betriebsstrategischen Gründen rund 30 Hektar am Bisamberg auf konventionelle Art und Weise bewirtschaftet." Gleichzeitig wird betont, dass sich diese Flächen mittlerweile wieder in der Umstellung auf Bio befänden.
Der Imageschaden ist enorm – und dürfte auch finanziell schmerzen. Laut "Kurier" steht ein Verlust von bis zu einer Million Euro im Raum. Kein Wunder: Bio-Weine lassen sich deutlich teurer verkaufen. Brisant ist außerdem, dass ein Betrieb nach gesetzlichen Vorgaben erst nach drei Jahren wieder das Bio-Gütesiegel tragen darf. Für das Weingut Cobenzl wäre das frühestens 2028.
Zusätzlich stellt sich die unangenehme Frage, ob Konsumentinnen und Konsumenten getäuscht wurden. Im Handel tauchte nämlich ein Bio-Wein des Jahrgangs 2024 vom Weingut Cobenzl auf – obwohl es diesen laut den Recherchen eigentlich gar nicht geben dürfte. Die MA 49 weist den Vorwurf des Etikettenschwindels jedoch zurück und betont, Weine aus konventionellem Anbau seien nicht als Bio verkauft worden.
„Im Rahmen einer standardmäßigen strengen Qualitätskontrolle war für die MA 49 der Einsatz chemischen Düngers nicht auszuschließen, was sogleich formal richtig der Landwirtschaftskammer Wien sowie der BIO-Zertifizierungsstelle gemeldet wurde. Damit konnte rechtzeitig sichergestellt werden, dass weder Wein falsch bezeichnet bzw. etikettiert noch als BIO-Wein in den Handel gebracht wurde.“Stadt Wien
Scharfe Kritik kommt von der Wiener ÖVP. Umweltsprecherin Elisabeth Olischar spricht von einem schweren Glaubwürdigkeitsproblem: "Die bekannt gewordenen Vorgänge rund um das städtische Weingut Cobenzl werfen schwerwiegende Fragen auf und sind ein erheblicher Schaden für die Glaubwürdigkeit."
Besonders pikant sei, dass trotz Bio-Versprechen weiterhin mit dem EU-Bio-Logo geworben worden sei. Olischar dazu: "Das ist mehr als erklärungsbedürftig." Sie ortet eine Doppelmoral der Stadt: "Ständig predigt die Stadt, wie wichtig die biologische Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen in Wien ist – und setzt für private Landwirtinnen und Landwirte strenge Ziele. Selber hält sie sich nicht daran."
Auch die Grünen Wien melden sich zu Wort. Umwelt- und Ernährungssprecherin Tina Wirnsberger sieht weitreichende Folgen: "Wenn eines der größten städtischen Weingüter Flächen konventionell bewirtschaftet, während es sich als Bio-Vorzeigebetrieb präsentiert, dann ist das nicht nur ein Imageschaden für das Weingut Cobenzl, sondern auch ein Vertrauensverlust in die gesamte Bio-Zertifizierung."
Am schärfsten fällt die Wortwahl bei der FPÖ aus. Umweltsprecher Michael Stumpf zeigt sich empört: "Was der 'Kurier' rund um das städtische Weingut Cobenzl aufgedeckt hat, ist ein Weinskandal ungeahnten Ausmaßes und zugleich ein schwerer Imageschaden für den Wiener Weinbau."
Dass trotz Bio-Zertifizierung konventionell gearbeitet worden sei, während man nach außen das Bio-Image pflegte, sei "unglaublich" und "beschämend für den Wiener Weinbau und ein Schlag ins Gesicht der Konsumenten", so Stumpf. Die FPÖ kündigt parlamentarische Anfragen an. Auch Grüne und ÖVP fordern die Aufklärung des Falls.